shed - in eigener Übersetzung Bruchbude - hat dieses seltene Debut der grandiosen Band Nylon um Sängerin Lisa Bassenge aus dem Jahre 2004 ausgegraben, um es uns ans Herz zu legen. Danke!Ein musikalischer Ausflug. Ein Ansatz, das deutsche (Liebes-)Lied wieder mehr als Song oder Chanson zu begreifen. Eine sommerleichte Interpretation, die einen verlorenen Faden aufgreift. Was bereits seit einigen Jahren mit den Stilmitteln des Rhythm'n'Blues gelingt - bei durchaus respektablen Ergebnissen - bekommt auf diese Weise ein technoides Gegenstück: Zerbrechliche, zuweilen schwelgerische Texte erscheinen in einem digitalen Kontext - und wirken dabei zeitlos elegant.
Weimarer Republik, Wirtschaftswunder und Neue Deutsche Welle finden für den Moment in elektronischen Melodien zusammen. Dem ersten Anschein nach ein Blick zurück. Doch gleichzeitig auch einer nach vorn. Möglicherweise ein kleiner Wink an das moderne Songwriting, daß es auch jenseits von Gitarrenpop eine Zukunft gibt.
Im vorliegenden Fall geht es um Originalkompositionen, die in den letzten neun Jahrzehnten entstanden sind. Das älteste Stück "Die Liebe kommt" von den Comedian Harmonists stammt noch aus der Schellack-Ära. Auch Marlene Dietrichs "Johnny, wenn du Geburtstag hast" überdauerte die Schrecken des Zweiten Weltkriegs. Dazu kommen seltene Perlen wie etwa Daliah Lavis "Es ist zu spät"-Eindeutschung von Carol Kings 70er-Jahre-Großhit "It's Too Late" oder Senta Bergers Ausflug in die Musikwelt "Vergiss mich, wenn du kannst". Sie wurden reduziert und minimalisiert. Gleichzeitig kommen - in Kombination mit Samples und Beats - "klassische" Instrumente wie Kontrabaß, Trompete oder ein Wurlitzer-E-Piano zum Einsatz. Wenn man so will, eine elektronische Zeitreise.
Aus dieser Versuchsanordnung entstand Nylon. Die Musiker Hagen Demmin, Stefan Rogall, Arnold Kasar und Paul Kleber trafen sich mit der Sängerin Niku Sebastian in einem Berliner Studio.
Die Vergangenheit des Teams im vielfältig schillernden Kosmos des Sonar Kollektivs führte bislang zu Bands/Projekten wie Micatone, dem Lisa Bassenge Trio oder Atomhockey. Und deren nu-groovige Einflüsse sind durchaus herauszuhören. Etwa, wenn gleich zu Beginn Hildegard Knefs Klassiker "Im achtzigsten Stockwerk" in einem schwebenden House-Track auflebt. Die Knef (Deutschland-West) und Manfred Krug (ehemals Deutschland-Ost) bilden mit jeweils drei Songs aus ihrem Repertoire so etwas wie die musikalische Achse, die mal mehr zum Bossa Nova ("Früh war der Tag erwacht"), dann wiederum in eine dubbige Richtung ("Wenn ich dich seh'") schwenkt. Barbara Thalheims DDR-Original "Frühling in der Schönhauser Allee" entstand 1971 als Dixieland-Version. Bei Nylon wird daraus eine spröde, melancholische Großstadt-Symphonie ohne Pathos und große Gesten. Niku Sebastians klare, prägnante Stimme bildet die Konstante in dieser digitalen Revue altersloser Klassiker. Sie lebt mit den einzelnen Stücken, ist hier heiter-beswingt und dort reif für die blaue Stunde in der Bar.
In der US-amerikanischen Musikbetrachtung taucht zuweilen der Begriff "Retro Nuevo" auf. Wenn sich z.B. (Vokal-)Elemente aus Gospel und Soul im Deep House der Neunziger wiederfinden oder die atmosphärische Dichte aus dem Harlemer Apollo der sechziger Jahre auf dem Dancefloor-Events der Clubnacht "Body & Soul" zu spüren ist. Auf eine ganz ähnliche Art und Weise fusionieren auch Nylon den Charme und den Geist deutschsprachiger Chansons mit der Jetztzeit. Ein digitales Crossover der Epochen - Retro Nuevo Alemania.
Quelle: jazzecho.de
Die Liebe Kommt
Title
01 Im 80. Stockwerk
02 Liebesleid (Die Liebe Kommt, D
03 Es Ist Zu Spät
04 Johnny, Wenn Du Geburtstag Has
05 Wenn Ich Dich Seh
06 Wenn Die Sonne Hinter Den Däch
07 Früh War Der Tag Erwacht
08 Feuerzeug
09 Da Bist Du Ja
10 Vergiss Mich, Wenn Du Kannst
11 Ich Möchte Mich Von Dir Trenne
12 Frühling In Der Schönhauser
Genre: Easy Listening
Bitrate: 192 kBit/s
Year: 2004
Mittwoch, November 28, 2007
Nylon - Die Liebe Kommt
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Donnerstag, November 22, 2007
Nylon - 10 Lieder Über Liebe
Diesen Wunsch ha mir iMer erfüllt, ein großartiges Album einer großartigen Band mit einer großartigen Sängerin. Sehr TripHop-lastiges Album, bei dem sich jedes Lied lohnt.
Sie war schon immer ungemein wandlungsfähig und präsentierte mit jedem neuen Album auch einen neuen Sound: Lisa Bassenge. Ob mit dem Jazz-Trio, das ihren Namen trägt und dem sie die Stimme lieh, ob solo, mit Coverversionen von Hildegard Knef bis The Cure - die Berliner liebt das Unerwartete, und so weiß man nie, mit welcher Idee sie im nächsten Moment aufwartet.
Nun hat sie ein weiteres Mal Lippenstift aufgetragen, die Nylons angezogen - und kopfüber geht es in die (Berliner) Nacht, in die Clubszene der Hauptstadt, zur blue hour, und sie bringt nach eigenem Bekunden "Romantik" in den deutschen Pop.
Ein solcher Versuch könnte anderenorts als Schlager enden. Doch Nylon, so der Bandname des Projekts von Lisa Bassenge (Gesang), Paul Weber (Bass), Sebastian Demmin (Tasten) und Arnold Kasar (Synthesizer) umschifft alle Klippen von Kitsch und Kleinkunst.
Mit kühl und distanziert wirkendem Digital-Sound formuliert das Quartett mit seinem neuen Produzenten Samon Kawamura eine in der deutschen Musik bislang unbekannte Ästhetik aus entspanntem Loungegefühl, hintergründiger Anspannung und kühler Erotik, erzeugt durch das Zusammentreffen von Cool Jazz, Chanson, Ambient, Triphop und Electronica.
In den ‚10 Liedern über Liebe', so der Titel des inzwischen dritten Nylon-Albums, reimt sich nicht Herz auf Schmerz, sondern Nylon auf Neon, atmosphärisch herausragend in Szene gesetzt, textlich auf hohem Niveau, und zwar gleichermaßen die eigenen Songs als auch die Auswahl der Coverversionen, darunter "Der Mond hatte frei" von Hildegard Knef, Marlene Dietrichs "In den Kasernen", drei Stücke, die Manfred Krug noch zu DDR-Zeiten gesungen hatte, sowie ein Stück von Carole King, das Lisa Bassenge selbst ins Deutsche übersetzte ("So weit, so weit").
Dass Nylon trotz des betont kühlen Sounds unter die Haut gehen, spricht nicht nur für die ausgeklügelten Arrangements, sondern vor allem für die stimmlichen Fähigkeiten von Lisa Bassenge, die der deutschen Sprache eine Weichheit und Sensitivität abringt, die ihr im internationalen Vergleich mit Englisch oder Französisch immer wieder abgesprochen wurde. Doch auch das heimische Publikum muss erst wieder an die eigene Sprache in der Musik gewöhnt werden, zumal in einem Genre, das hierzulande leider nur an verschüttete Traditionen anknüpfen kann.
© Michael Frost, 08.09.2007
10 Lieder Über Liebe
Title
01 Damals
02 Ein Tag, den du magst
03 So weit, so weit
04 Ausgedacht
05 Lass mich nicht gehen
06 In den Kasernen
07 Der Mond hatte frei
08 2:30h
09 Das geht mir ans Herz
10 Die Nacht war blau
11 Sie
Genre: Pop
Bitrate: 150 kBit/s (VBR)
Year: 2007
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Samstag, August 11, 2007
Nylon - Eine Kleine Sehnsucht
Vier Süßwassermatrosen und eine etwas gelangweilt dreinblickende Dame zieren das Cover. "Wannsee Ahoi" heißt denn auch der Opener, mit dem Nylon in ihr Album einsteigen. Was an der Berliner Bade-Pfütze so faszinierend sein soll, dass man ihr eine Hommage widmet, wissen wohl nur die Bewohner von Deutschlands größtem Hundeklo.
Egal, so lange die klangliche Seite davon so schön unaufgeregt und charmant daher kommt. Zart angejazzte Tunes wetteifern mit Lisa Bassenges sanfter Stimme. Passend zur Jahreszeit ziehen vor dem inneren Auge hauchzarte Nebelschleier vorbei, ein leichter Nieselregen untermalt die melancholische Stimmung.
Der Beginn des Albums plätschert angenehm vor sich hin. Dezente Tristesse schmücken Nylon gekonnt in fein gewobene Jazzpop-Perlen, die unaufdringlich instrumentiert dem Ohr schmeicheln. Akkordeon-Melodien flirren um "Liebe Macht Blöd", und fast ist man geneigt, Lisa Glauben zu schenken, wenn sie derart philosophisch scharwänzelt: "Liebe macht blöd, Romeo muss ewig leiden, du wirst nicht stark und schön, der Himmel hängt nicht voller Geigen. Liebe macht blöd und schlägt dir auf den Magen. Besser, du lässt es sein."
Nylon sind aber nicht nur auf gemächlich dahin trudelnde Songs abonniert, sondern ziehen das Tempo mitunter deutlich an. "Kurze Weile" driftet sogar in Synthiepop-Gefilde ab, die der Band ebenso gut stehen wie Reggae-Anleihen ("Glück", "So Oder So Ist Das Leben"). Mit dem schon von Marlene Dietrich und Hildegard Knef interpretierten "Ich Weiß Nicht, Zu Wem Ich Gehöre" wagen sich Nylon sogar an einen der großen Klassiker heran.
Auch wenn Lisas Stimme kaum Ähnlichkeit mit denen der beiden Diven hat, überzeugt sie auch mit diesen Coverversionen. Mission erfüllt, möchte man ihnen zurufen.
laut.de
Eine Kleine Sehnsucht
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