Ich wünschte mir zwar, dass unser Freund und Genosse ray die Beiträge hier geposted hätte, hat er aber nicht.
Tut jedoch nichts zur Sache. Denn er hat einen Wahnsinns Megabeitrag im Terror-Blog über Manu Chao und alle seine Seitenprojekte, inklusive der Mano Negra Veröffentlichungen, gemacht.
Schaut vorbei und genießt!
http://da-terror.blogspot.com/search/label/Artist%3A%20Manu%20Chao
Samstag, Mai 10, 2008
Manu Chao Mega Post bei Terror
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Dienstag, Januar 15, 2008
Nina Miranda
Was tun, wenn man eine Sängerin entdeckt, deren neuestes Projekt Zeep der absolute Hammer ist und wenn man in den anschließenden Recherchen feststellt, dass sie keinesfalls eine Unbekannte ist. Ich rede von Nina Miranda, Tochter des brasilianischen Künstlers Luiz Aquila da Rocha Miranda und ihrer britischen Mutter, mit der sie im Alter von acht Jahren nach einem Zwischenstop in Frankreich nach England zog. Und ich rede von Zeep, Smoke City, Arkestra One und von Shreft. Chris Franck darf ich natürlich auch nicht vergessen. Denn was wäre Zeep und Smoke City ohne Franck? Nina Miranda wäre weder mit ihm verheiratet noch hätte sie einen Sohn mit ihm.
O.K., ihr wisst immer noch nicht wovon oder von wem ich rede. Also fange ich nochmal neu an.
Habt ihr Euch schon mal überlegt, wie sich die Vereinigung von Bossa Nova und TripHop anhören könnte? Und dazu dann noch eine Prise Jazz, Samba, Reggae, Dub und Folk? Ich hab bislang noch nicht einmal einen Gedanken in die Richtung verschwendet, aber nachdem ich Nina Mirandas unterschiedlichsten Werke gehört habe, muss ich feststellen, ich war ein Ignorant.
Ein Nina Miranda Artikel wäre natürlich kein Nina Miranda Artikel, wenn man nicht erwähnen würde, dass der Smoke City Welthit Underwater Love, bekannt aus der Levis Werbung mit den hübschen Nixen, uns allen noch in Ohren ist. So jetzt hab ich es gesagt.
Was tun, war meine Eingangsfrage und meine Antwort darauf ist: ein Sammelpost.
Ein Tipp am Ende: Hört diese Musik laut, auch wenn es sich Easy Listening anhört. Probiert es mal aus!
Dieser Artikel handelt von einer Band namens Smoke City. Smoke wer? Smoke City, die von "Underwater Love", der Song aus der Levis-Werbung mit dem Typ, der aus dem Boot kippt und den Nixen. Ach so, die.
Das riecht verdächtig nach einer klassischen One-Hit-Wonder-Karriere, aber Smoke City haben es besser verdient - ein Grund mehr für Hinter-Net!, die Gruppe im Interview zu fragen, wie sie zu dem wurden, was sie sind.
Das Nord-Londoner Trio besteht aus der Halbbrasilianerin Nina Miranda, die mit acht Jahren nach England kam, eine Weile in Frankreich lebte (was ihre portugiesisch-englisch-französische Gesangs-Melange erklärt) und Kunst studierte; Marc Brown, der ebenfalls eine Zeitlang in Brasilien lebte und dort mit der Drum-Truppe "Olodum" arbeitete, die auch auf dem aktuellen Smoke City-Album zu hören ist, und Chris Franck, der ebenfalls in - na, wo wohl! - Brasilien zugange war, zeitweise zumindest. Brown und Franck sammelten in dieser Zeit beide Programmier- und Sample-Erfahrungen. Mit ersterem tat sich Nina Miranda vor einigen Jahren zu Smoke City zusammen, und beide produzierten 1995 den Song "Underwater Love" - der also nicht, wie viele vermuten, als Auftragsarbeit oben genannter Jeans-Firma entstand. Im Gegenteil: das blubbernde Meisterwerk erschien damals auf einem Sampler des Independent-Labels Ireland Records namens "Rebirth of the Cool", wo er vorerst unbemerkt vor sich hin dümpelte.
Ein halbes Jahr später stieß Chris Franck zu dem Duo, der Kontakt wurde über einen gemeinsamen DJ-Freund hergestellt, nachdem Franck sich nach seinem Brasilien-Aufenthalt wieder in die Londoner Musik-Szene einbrachte. Die Plattenfirma offerierte Demo-Aufnahmen in einem Studio, also machte sich das Trio ans Song-Schreiben, und die Sache kam ins Rollen.
Der Name "Smoke City" steht übrigens für London, die Heimat des Trios, und die besondere Londoner Atmosphäre. Er steht auch für einen Komplex aus Industrie und Urbanität, der seine zugleich transparente und verschleierte Substanz mit jedem Moment verändert.
Inzwischen liegt das Ergebnis der Studio-Aufnahmen vor: ein Album mit dem Titel "Flying away". Spätestens hier wird klar, daß Smoke City mehr zu bieten haben als einen - zugegeben genialen - von der Werbung gepushten Hit. Und um dieses Thema zu Ende zu führen: Levis hatte das Konzept des Spots vor Augen und suchte nach einer passenden musikalischen Untermalung, als ein Mitarbeiter der Firma auf den Song "Underwater Love" stieß, der wie für diesen Zweck geschaffen schien. Smoke City setzen mit ihrem schaumgeborenen Lied gewissermaßen die Tradition des Surf-Sounds fort: wo dieser das Gefühl des Wellenreitens musikalisch einfing, tauchen Smoke City klangmäßig ab, eben "underwater". Nina Miranda stimmt dieser Sicht übrigens zu, sie habe kurioserweise beim Komponieren (am Anfang war in diesem Fall nicht das Wort, sondern der Sound, den Kollege Brown der Sängerin präsentierte, die sich daraufhin zu Text und Titel inspirieren ließ) exakt die Story des Jeans-Spots vor Augen gehabt ...
Weiß man um die Brasilien-Erfahrungen und die Londoner Heimat der drei Musiker, muß man zum Stil des restlichen Albums eigentlich nicht mehr viel sagen: in den Songs der Band fließt der sonnige Einfluß Südamerikas mit der europäischen Club-Music zusammen. "Flying away" ist eine Synthese aus Samba, Bossa und Swing auf der einen Seite und Synthie-Klängen und harten Beats auf der anderen: gleichzeitig easy, relaxed und düster, klingt bisweilen - wollte man eine neue stilistische Schublade öffnen - nach einer Art "Latino-Industrial".
Die Erfahrung "vor Ort" spielt laut Chris Franck eine bedeutsame Rolle, er betont, wie wichtig es sei, das südamerikanische Feeling zu "verstehen", dies sei die Voraussetzung, wolle man fremdartige Einflüsse einbringen, denn nur so funktionierte letztendlich die Mischung. Und nicht zuletzt drücke sich darin auch der Respekt vor unterschiedlichen Traditionen und den Errungenschaften fremder Kulturen aus.
Die Band selbst möchte ihren Stil nicht definieren, sie vereinigen eine Vielzahl heterogener Einflüsse (auch wenn´s geschwollen klingt, nur um nicht schon wieder "unterschiedlich" oder "verschieden" zu schreiben, Anm. d. V.) wie südamerikanische Klänge, Reggae, Soul, Hip Hop und R'n'B. Privat stehen sie auf Musik der 70er, die bei ihnen öfter läuft als aktuelle Produktionen: Bob Marley, Santana, Stevie Wonder, Johnny Guitar Watson und Jungle Jazz von John Coltrane, genauso wie afrikanische und indianische Musik: "Alles, was mehr Underground und avantgardistischer als Kommerz ist" (O-Ton Franck). Aha.
Daneben weisen Smoke City darauf hin, daß sie nicht einfach nur unterschiedliche(!) Elemente verschmelzen, sondern jedem einzelnen durch Fusion eine neue Perspektive erschließen. Oder anders ausgedrückt: alles zusammen ist mehr als nur die Summe der Einzelteile. Gemixt werden auch die unterschiedlichsten Rhythmen, die für die Musik von Smoke City ohnehin eine wichtige Rolle spielen, z. T. programmiert und z. T mit "echten" Drummern eingespielt, wie z. B. mit den schon erwähnten 15 Percussionisten von "Olodum", deren Unterstützung auch Paul Simon bereits in Anspruch nahm.
Live spielen Smoke City mit sieben Musikern, die sonst allerdings nicht an den Kompositionen beteiligt sind, dazu zählen ein Drummer, ein Percussionist, ein Bassist-Cellist in Personalunion wie auch ein Keyboarder-Violinist. Untereinander sind die Rollen nicht festgelegt, alle arbeiten mit Percussions, und Brown produziert zusätzlich Live-Effekte mit einer Effekt-Box - was immer das sein mag. Zur Show gehört außerdem jede Menge Action und Live-Mixing, kurz: Kombination ist das Zauberwort im Konzept der Band Smoke City.
Jeder der drei hat neben der Gruppe noch andere Projekte laufen, die sich alle im Radius der Londoner Szene bewegen, ob nun in Form von Produktionstätigkeiten oder Remixen. Tja, da heißt es, auf Tourtermine warten, solange behelfe man sich mit "Flying away".
Smoke City - Flying Away
Title
01 Underwater Love
02 Devil Mood
03 With You
04 Numbers - Interlude No. 1
05 Mr. Gorgeous (And Miss Curvaceous)
06 Aguas De Marco (Joga Bossa Mix)
07 Dark Walk
08 Jamie Pan
09 Giulietta - Interlude No. 2
10 Flying Away
Genre: Trip-Hop
Bitrate: 192 kBit/s
Year: 1997
Smoke City - Heroes Of Nature
Title
01 Intro
02 Can You Feel That
03 What It Was (Acoustic)
04 They cant Take That Away From Me
05 London
06 Jug
07 Remember This
08 Its Amazing
09 Little Elina
10 Life Can Be Sweet
11 This Song
12 What It Was (part 2)
13 What It Was
14 After The Splash
15 Imagine
16 So Danco Samba
Genre: Trip-Hop
Bitrate: 192 kBit/s
Year: 2001
On their self titled debut, London born Finn Matthew Timoney gives us a conglomerate of jazz, latin, soul, funk and ambient, not as a reproduction but as ingredients in Arkestra's distinctive sound. This sound is rich in arrangement, smoothly layered and seductive no matter if you are a jazzhead, soul man, or downtempo guru or are just in search of good music (and good titles). Brazilian chantuese Nina Miranda, who has worked with Bebel Gilberto, and Les Gammas to name a few, adds her sultry voice to the record.
Arkestra One - Arkestra One
Title
01 Into The Light
02 I Really Want You
03 Train To Machu Pichu
04 Filling It With Sound
05 Shine
06 Man From The Audience
07 The Sirens
08 How Could I Love You More
09 Seu Pariso
10 Hot Sand
11 Skydiving
Genre: Electronica
Bitrate: 192 kBit/s
Year: 2002
Hinter Shrift verbergen sich der Ethno-Electro-Zauberer Dennis Wheatley und Nina Miranda. Letztere wurde als Sängerin von Smoke City Mitte er 90er-Jahre bekannt, als sie zunächst in einer Jeanswerbung und dann überall zu faszinierend sphärischen Klängen die "Underwater Love" besang. Nach zwei erfolgreichen Alben mit Smoke City und Kollaborationen mit u. a. Jah Wobble und Bebel Gilberto bezaubert Nina Miranda jetzt 2006 im neuen Umfeld. Mit Dennis Wheatley (u. a. Atlas) musiziert sie seit 2003, "Lost In A Moment" ist das erste Album von Shrift. Indem sie eine tagträumerische Grundstimmung mit durchdachten Grooves mischt, knüpft die Platte an die besten Momente von Smoke City an. Breitwandige Streicher liefern einen fliegenden Teppich aus Disney-Romantik, reduzierte Akustikgitarren schwirren am Ohr vorbei, hymnische Chor-Samples leuchten auf. Dazu gesellen sich unversehens Disco-Breakbeats mit Afro-Perkussion, Samples einer Bigband und natürlich die Vokal-Improvisationen Mirandas in Englisch, Französisch und Portugiesisch.
Shrift - Lost In A Moment
Title
01 Lost In A Moment
02 Sereia
03 As Far As I Can See
04 Snow Samba
05 Floating City
06 Yes I Love You
07 To The Floor
08 Hum
09 Once Upon A Dream
10 Blue
11 Lost In Portuguese
Genre: Electronic
Bitrate: 192 kBit/s
Year: 2006
Es ist zwar schon ein Weilchen her, aber wir haben's noch im Ohr:
"Underwater Lover"; den relaxten Hit aus der Jeans-Werbung und die dazugehörige säuselnde Sirenenstimme.
Nina Miranda hieß die Dame, die vor einem Jahrzehnt mit den maritimen Klängen über die Bildschirme flimmerte - und seitdem hat sich eine Menge in der Vita der Anglo-Brasilianerin getan: Mit Smoke City kurbelte sie die Brazilectro-Szene an, lieh später ihre Vokalmagie den Downbeat-Meistern von Da Lata. Nun hat sie mit ihrem langjährigen Studio- und Lebenspartner Chris Franck das Projekt Zeep auf die Beine gestellt und tönt damit brasilianischer denn je:
Die Songs verströmen sexy Funkyness in Uptempo-Bossas, es gibt sonnig-swingenden Samba und Baião, tropischer Pop wird mit neuem Elan zelebriert. Und zwischendurch staunen wir über ganz ruhige, verträumte Folkballaden zur Gitarre mit englischer und portugiesischer Lyrik, in denen es mal wieder ums fließende Wasser geht...
Da braucht es nur noch klitzekleine Elektronik-Tupfer für zusätzliche Raffinesse. Und die schönste Botschaft: Ninas Stimme hat über die Jahre nichts von ihrer hauchenden Zauberkraft eingebüßt:. Der richtige Soundtrack, um den Winter entspannt zu überstehen.
Nina Miranda & Chris Franck Present: Zeep
Title
01 01 Funny Old Song
02 02 Super
03 03 Come With Me
04 04 Zeep Dreams
05 05 Sem Parar
06 06 Baby
08 08 Agua
09 09 Keep An Eye On Love
10 10 Have You Ever
11 11 Nature
12 12 Blue Sky
13 13 Land Of Blobs
Genre: Brazilian
Bitrate: 177 kBit/s (VBR)
Year: 2007
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Montag, September 03, 2007
Manu Chao - La Radiolina
"Politik ist ein Synonym für Korruption"
Am Freitag ist sein neues Album "La Radiolina" erschienen, zuvor ließ Manu Chao sechs Jahre lang auf sich warten. Im Interview erzählt der Weltenbummler u.a., was in der Zwischenzeit geschah.
Von Giuliano Benassi
Manu Chao im Münchner Biergarten.
Geladen waren die Journalisten ins noble Hotel Bayrischer Hof im Stadtzentrum Münchens, doch Manu Chao zog den grell leuchtenden Stern unseres Sonnensystems den fünf unter dem Namenszug des Etablissements vor. Das Interview fand also kurzerhand in einem gut besuchten Biergarten am Odeonsplatz statt. Mit schwarzem T-Shirt und Jeans sah der gut gelaunte Weltenbummler so unscheinbar aus, dass uns keiner wahr nahm - selbst die Kellnerin nicht.
2002 erschien das Livealbum "Radio Bemba Sound System" mit dazugehöriger DVD, in dem du deine Karriere, dein musikalisches Credo zusammengefasst hast. Danach war es bis letztes Jahr, als du wieder auf Tour gingst, in der breiten Öffentlichkeit ruhig. Keinen Bock mehr auf all den Rummel?
Nein, ich hatte einfach zu viel zu tun. Der Rummel hat mich nicht genervt, denn ich habe über die Jahre gelernt, damit zu leben. In meiner Karriere kam der Erfolg ja in Stufen - in homöopathischen Dosen, sozusagen. Ich habe mich an das gewöhnt, was ich bin, und wie ich damit umgehen muss.
Beim Coachella Festival in Kalifornien hast du im Mai vor Rage Against The Machine gespielt. Wie war das?
Super. Was ich in den USA interessant finde ist, dass bei unseren Shows 80% des Publikums Latinos sind. Die meisten kennen uns aus Südamerika, aber die Englischsprachigen kennen unsere Musik kaum. Von den 90.000 Leuten, die auf dem Festival waren, kannten vielleicht 5.000 meinen Namen. Es war eine Herausforderung, ein bisschen wie früher, wo ich mich noch beweisen musste. Ich hatte nichts zu verlieren. In anderen Teilen der Welt, wo die Leute meine Musik kennen, muss ich das nicht mehr. Die Herausforderung dort liegt eher darin, die Leute nicht an der Nase herum zu führen.
Im August erscheint deine neue Platte "La Radiolina". Die Lieder daraus sind gitarrenlastiger, obwohl der Stil zweifellos derselbe geblieben ist. War das eine bewusste Entscheidung, oder hat sich das so ergeben?
Na ja, als ich mein erstes Album "Clandestino" aufgenommen habe, hatte ich keine Band. Ich war alleine und habe die Gitarre selbst eingespielt. Mit zwei Fingern, denn das ist meine Technik. Bei "Proxima Estacion: Esperanza" war meine Band Radio Bemba schon zusammen, aber vielleicht ist die Platte etwas zu früh entstanden. Nun sind wir seit vielen Jahren auf Tour und ich habe zwei super Gitarristen, Madjid und den Schlagzeuger, der früher der Gitarrist war. Wir leben alle nahe beieinander in Barcelona, so ist es nur normal, dass das Album so klingt, wie es klingt. Es ist erst jetzt fertig geworden, und ich bin noch ein bisschen durcheinander, aber ich glaube, dass es so etwas wie das fehlende Glied zwischen einem Studioalbum wie "Clandestino" und dem ist, was wir auf der Bühne anstellen.
Du reist sehr viel ...
Ja, ich habe dieses Glück ...
...und nimmst dabei ständig Sachen auf. Hast du immer eine Gitarre und ein Aufnahmegerät im Gepäck?
Na ja, eine Gitarre nehme ich nicht mehr mit, aber die lässt sich immer finden. Im Flugzeug herrscht eine regelrechte Paranoia, früher ging das, aber heutzutage ist das immer ein Problem. In meinem Rucksack habe ich ein kleines Studio, einen Computer und ein Mikrophon, mit dem ich alles mache, meine Musik, mein Artwork, auch kleine Filme. Damit bin von Orten unabhängig. Das ist sehr wichtig für mich. In fünf Minuten ist alles aufgebaut - und schon kann's losgehen. Wenn ich eine Idee habe, muss ich sie gleich festhalten, sonst ist sie wieder weg. Mit Mano Negra musste ich ins Studio. Das ist zum Glück vorbei. Für meinen Lebensstil ist das mobile Studio die ideale Lösung.
Aber wo fügst du die Teile zusammen? Irgendwann hast du doch einen riesigen Haufen mit Puzzleteilen, die du erst zusammen setzen musst.
Nein, ein Song ist ein Song. Ich spiele sie und entscheide, welche mir gut gefallen. Dann fange ich an zu kombinieren: Diese Lied passt besser zu diesem - oder doch besser zu jenem? Ach, bei dem ist die Melodie gut, aber es passt eher der Text von dem anderen dazu ... ich recycle sehr viel. In meinen CDs findest du immer viele Passagen, die aufeinander verweisen. Ich mag es sehr, zu schneiden und zu basteln. Das tue ich mit meinem Rucksackequipment, oder auch zuhause in Barcelona, denn im Rucksack habe ich natürlich keine Effekte mit dabei. Wobei - und das ist das wichtigste Ziel in meinem Leben - ich alles, aber auch wirklich alles in meinem Rucksack bewerkstelligen will. Ich möchte versuchen, alles so weit wie möglich zu vereinfachen.
"Maradona ist wie Elvis: jenseits von Gut und Böse"
2004 hast du eine CD aufgenommen, die in Frankreich zusammen mit dem Kinderbuch "Sibérie M'était Contéee" erschienen ist. Die war auch sehr einfach und ging eher in Richtung Chanson.
Ja, ich nenne es Pariser Blues. Alles zuhause entstanden.
Hast du nicht daran gedacht, es einem größeren Publikum zugänglich zu machen?
Im Mittelpunkt stand erst mal das Buch. Ich habe einen neuen Job gelernt: Den eines Buchmachers. Es ist gar nicht so einfach. Die Zeichnungen von Wozniak waren schnell entstanden, wie auch die Texte, aber wie sollten wir sie platzieren? Welches Papier sollten wir nehmen? Ich habe vor lauter Betrachten fast mein Augenlicht verloren. Die Musik ist eher nebenbei entstanden. Als ich die Texte las, sind mir Melodien dazu eingefallen, die ich aufgenommen habe. Klar, ich würde daraus gerne eine CD machen, aber ich müsste die Sache noch einmal überarbeiten. Es waren 23 oder 24 Stück darauf. Nun, wo das alles verdaut ist, müsste ich noch einmal darüber schauen, sie kürzen und etwas mehr bündeln. Ich muss noch zwei Wochen Arbeit reinstecken.
Du scheinst momentan viel zu tun haben. Angeblich arbeitest du an einer brasilianischen CD, außerdem sollst du Material mit Patienten einer psychiatrischen Anstalt in Buenos Aires aufgenommen haben.
Die brasilianische CD ist so gut wie fertig, da ich viel Zeit in dem Land verbringe - mein Sohn wohnt dort. Ich habe Lust, eine CD auf Brasilianisch heraus zu bringen - ich weiß nicht warum, aber so ist es halt. Aber dazu brauche ich auch wieder Zeit, da ich noch postproduzieren muss. Doch davor will ich noch die CD aus der Klinik Colifata zu Ende bringen. Eine weitere CD, die so gut wie fertig ist, ist eine Zusammenarbeit mit Amadou & Mariam, für die ich 2004 schon eine CD produziert habe. Diesmal geht es aber um ihren Sohn, der in Mali lebt und eine Hip Hop-Band namens Smod hat. Da bin ich aber eigentlich nur der Aufnahmetechniker, weil sie ihre Songs schon so gut wie fertig ins Studio bringen.
Außerdem hast du noch mit Emir Kusturica zusammen gearbeitet. Er hat das Video zur neuen Single "Rainin In Paradise" gedreht, zusammen habt ihr an einem Film über Maradona gebastelt.
Ja, Emir arbeitet an einem Dokumentarfilm über Diego. Er wollte, dass ich Diego ein Lied vorsinge, und dachte dabei an ein altes Mano Negra-Stück namens "Santo Maradona", das ich vor langer Zeit in Neapel aufgenommen habe. Ich dachte, cool, aber warum sollte ich nicht einen neuen Song schreiben? So bin ich nach Neapel gegangen, habe Maradona getroffen und "La Vida Es Una Tombola" geschrieben. Das war mein einziger Beitrag zum Film - vielleicht gerade mal eine Minute, wenn sie nicht noch rausgeschnitten wird. Ich singe Diego ein Lied über ihn vor, das er nicht kennt - das ist alles. Ich hoffe, dass es ihm gefallen hat.
Wie geht es Maradona denn so?
Er hat seine Höhen und Tiefen. Als ich ihn das letzte Mal in Argentinien gesehen habe, schien es ihm ganz gut zu gehen. Er hat ein riesiges Herz. Ich habe ihn nur zweimal getroffen, kann also nicht behaupten, ihn seit Jahren zu kennen, aber er ist ein Kerl von der Straße, er kennt immer noch all diese Codes und Verhaltensregeln. Er hat seine Wurzeln nicht vergessen. Sein wichtigster Code ist die Freundschaft. Er hat seine gute und seine schlechten Seiten. Deshalb ist er der perfekte Mensch für ein Lied mit dem Titel "Das Leben ist eine Lotterie". Sein Leben ist eine unglaubliche Lotterie, wenn man bedenkt, was es für einen Lauf genommen hat. Nachdem ich ihm das Lied vorgesungen habe, hat Emir ihn interviewt. Ein Satz hat mich dabei beeindruckt. Als er seinen ersten Vertrag unterschrieben hat, war er sich zwei Dingen sicher: Dass er seiner Mutter ein Haus schönes kaufen und Weltmeister werden würde. Was er damals nicht wusste, war, dass er eines Tages dem Kokain verfallen würde. Eine Lotterie, eben.
Er ist jedenfalls ein Mensch, an dem sich die Geister scheiden.
Ich habe einen Freund getroffen und respektiere ihn. Meiner Meinung bewegt er sich auf einer Ebene, die oberhalb der Kategorien "Gut" und "Böse" ist, so wie etwa Elvis. Es ist nicht einfach, Diego Maradona zu sein. Ich habe vier Stunden mit ihm in Neapel verbracht. Ich weiß, was es bedeutet, berühmt zu sein, auch wenn ich es natürlich lange nicht so bin wie er. Die Zeit mit ihm war sehr anstrengend. Ein ständiger Adrenalinrausch. All diese Liebe, all dieser Druck, immer 100%. Auch Liebe kann manchmal zu viel sein.
2001 hast du in Genua beim G8-Gipfel gespielt. Damit bist du zu so etwas wie einer Ikone der Antiglobalisierungsbewegung geworden. Was hältst du davon?
Ich habe schon immer gesagt: Nein. Das möchte ich nicht. Ich glaube auch nicht, dass mich die Bewegung jemals als eine Ikone angesehen hat. Es waren die Medien, die mich dazu gemacht haben, weil sie etwas einem Antlitz geben wollten, das bis dahin keines hatte. Ich denke, dass es sehr wichtig ist, dass es so eine Bewegung gibt, die für eine bessere Welt und die Zukunft unserer Kinder kämpft. Es war hart, mich ein oder zwei Jahre lang von diesem Image distanzieren zu müssen.
Hast du dich deshalb zurück gezogen?
Nein. Der Grund, weshalb ich in den letzten Jahren nicht mehr so präsent in den Medien war, lag daran, dass ich mich anderen Dingen gewidmet habe. Ich möchte keine Ikone sein. Das ist gefährlich, denn dann liegt die ganze Aufmerksamkeit auf dir - und die Gefahr steigt, korrumpiert zu werden. Die Medien brauchen jemanden, den sie kritisieren oder verzerren können. Der will ich nicht sein. Die Bewegung existiert und wächst immer mehr, aber es ist sehr wichtig, dass sie horizontal strukturiert bleibt, ohne dass es zu Streitereien kommt. Sobald du ein Aushängeschild hast, kommt das nächste, und dann fangen die Medien an, Differenzen hineinzudichten und einen falschen Krieg anzuzetteln, der dann zum Schluss tatsächlich zustande kommt. Die Medien wissen genau, wie man so etwas aufbaut.
Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass soziale Gerechtigkeit gerade in ist. So ist eine Doppel-CD mit John Lennon-Covern erschienen, um Geld für Amnesty zu sammeln und auf die dramatische Lage in Darfur aufmerksam zu machen. Andererseits gab es Live Earth. Was hältst du von diesen Aktionen?
Ich habe dazu keine wirkliche Meinung.
Würdest du daran teilnehmen? Oder wäre das wieder eine "Ikonisierung"?
Niemand hat mich gefragt, ob ich teilnehmen will. Im Nachhinein haben die Organisatoren wohl behauptet, ich hätte abgesagt, aber das stimmt nicht.
In einem Artikel habe ich gelesen, dass du in Heiligendamm gewesen sein sollst.
Wo soll ich gewesen sein? Nein, das stimmt nicht, aber das liegt wohl daran, dass es viele Manu Chaos gibt ... wie gesagt, ich kann mich nicht zu einer Meinung durchringen. Das Problem an solchen Veranstaltungen ist, dass es schwierig ist, konkrete Ergebnisse zu erzielen. Ich bevorzuge viel mehr lokale Tätigkeiten. Sie sind zwar nur begrenzt, aber wenn du dich persönlich engagierst, siehst du wenigstens ein Ergebnis. Du erkennst, ob du das Richtige oder das Falsche tust, denn nicht immer tust du automatisch das Richtige. Du kannst deine Handlungen anpassen, und beim nächsten Mal wird's dann besser. Wenn du etwas in einem so großen Rahmen aufziehst, siehst du kaum Ergebnisse. Ich bin nicht dafür, ich bin nicht dagegen, die Angelegenheit ist einfach zu kompliziert.
Ist es das, was du mit dem Song "Politics Kills" auf deinem neuen Album ausdrücken willst, weil die Anweisungen von oben und nicht von unten kommen?
Politik braucht beides, denn Politik will deinen Kopf. Und um deinen Kopf zu erobern, setzt sie alles ein, Lügen, Tricks, Bomben. Politik braucht Blut. Das Lied habe ich schon vor vier oder fünf Jahren geschrieben, es ist also nicht unbedingt an ein konkretes Ereignis gebunden.
Glaubst du also, dass Politik an sich böse ist? Ohne Politik geht es ja auch nicht ...
Ich glaube, dass die Figur des Politikers ursprünglich eine sehr schöne war. Vielleicht sogar die interessanteste überhaupt. Leider wurde die Funktion von professionellen Politikern komplett verdorben. Heutzutage ist Politik ein Synonym für Korruption, und zwar überall. Wir reden viel über Demokratie, aber die Demokratie ist krank. Ich bin jetzt 46 und wähle, seitdem ich 18 bin. In meinem ganzen Leben habe ich noch nie die Möglichkeit gehabt, für jemanden zu wählen. Ich habe immer gegen jemanden gewählt. Und ich weiß, dass ich da nicht der einzige bin. Das ist nicht gesund.
Bei einem Konzert in Brooklyn hast du vor kurzem gesagt: "Man kann nicht Terrorismus mit Terrorismus bekämpfen. Der Gewalt solltet ihr Bildung, nicht noch mehr Gewalt entgegen setzen". Ist das das beste Rezept?
Der einzige Weg, Terrorismus zu bekämpfen, sind Bildung und Arbeit. Was die Leute brauchen, ist Arbeit. Wenn jeder in seinem eigenen Land seinen Lebensunterhalt bestreiten und sich wohl fühlen könnte, gäbe es keinen Terrorismus. Bildung ist natürlich auch sehr wichtig. Egal, wo ich in der Welt bin, gibt es ein großes Erziehungsproblem. Es herrscht ein großer Mangel an Bildung in den Familien, aber auch in den Schulen. Kinder glauben einfach nicht mehr an die Schule. Ihre Schule ist die Straße. Und das Fernsehen. Das einzige, was du von Fernsehen lernst, ist, dass alles schnell und einfach zu kriegen ist - ohne viel dafür zu tun. Du brauchst immer das Neueste, das ist das Einzige, was zählt. Das ist keine gute Erziehung. Sie werden ohne Ethik erzogen, weil das Fernsehen keine Ethik vermittelt. Das ist sehr, sehr gefährlich.
Für die jetzige Generation der Vierzehnjährigen ist es wahrscheinlich zu spät, so leid es mir tut. Wir müssen an der nächsten arbeiten. Wenn wir das nicht tun, werden wir ein riesiges Problem haben. Noch zwei oder drei Generationen, die so aufwachsen ... ich will kein Pessimist sein, aber dann ist das, glaube ich, das Ende der Zivilisation. Das ist überall so, in der ersten und auch der dritten Welt. In Brasilien habe ich einen Freund, der der Anführer seines Gettos ist. Er ist vielleicht 25 Jahre alt. "Ich bin ein böser Kerl", hat er zu mir gesagt, "ich fürchte niemanden, weder die Polizei noch meine Feinde. Doch ich habe Angst vor meinem kleinen Bruder". Und diese Stimmung herrscht überall.
Du unterstützt verschiedene Projekte in dieser Hinsicht.
In Frankreich haben wir schon seit vielen Jahren einen Verein namens "Caravan du Quartier". Viele Künstler treten in Problemvierteln auf, wobei die Bewohner der Viertel alles selbst organisieren. Aber die Kids sind echt hart geworden, sehr wütend. Ich bin auch voller Wut. Meine erste Reaktion, wenn ich sehe, wie die Welt läuft, ist Wut. Aber ich habe einen Weg gefunden, mich abzureagieren. Meine Therapie ist die Musik. Ich habe es geschafft, meine Wut in eine positive Energie umzuwandeln. Viele Kids haben diese Chance aber nicht. Das Gefühl, das die Gesellschaft den meisten Leuten vermittelt, ist Wut, so schade es auch ist. Und es wird immer schwerer, diese Kids zu erreichen. Sie nehmen teil, und sie unterhalten sich auch mit dir, doch plötzlich macht es peng und es ist vorbei - du erreichst sie einfach nicht mehr.
Einige Leute - darunter auch ehemalige Mitglieder von Manu Chao - haben dir deinen Erfolg übel genommen. Las Wampas etwa hatten Erfolg mit dem Stück "Manu Chao". Wie kann man linke Ideen vertreten und dabei Geld machen, scheint ihr Motto zu sein. Hat dich diese Kritik hart getroffen?
Och, das sind Freunde von mir. Sie haben mich gefragt, ob sie meinen Namen verwenden können, und die Erlaubnis habe ich ihnen natürlich gegeben. Ich kenne sie schon seit Ewigkeiten und finde, dass sie eine großartige Band sind. Ich denke, es ist nicht ihr bester Song, aber sie sind sehr gut. "Las Wampas Vous Aime" ist meiner Meinung nach die beste Rockplatte, die es in Frankreich jemals gegeben hat.
Nimmst du solche Kritik also mit einem Lächeln an?
So ist es halt, wenn du berühmt bist: Alles ist übertrieben. Manche Kritiker loben dich über alle Wolken und behaupten, du seist ein Genie. Ich weiß genau, dass ich keines bin. Andere behaupten, du seist total schlecht. So schlimm finde ich mich aber auch wieder nicht. Das ist ein Teil des Spiels. Es lehrt dich, dass du zur dir selbst finden musst. Du musst sowohl mit Kritik als auch mit Lobeshymnen zu Recht kommen. Du musst deine eigene Balance finden, sonst wird es sehr schwer. Es gibt Leute, denen ich vertraue. Wenn sie sagen "Manu, du liegst falsch", dann akzeptiere ich das und handle entsprechend. Manche Dinge stelle ich richtig an, andere falsch. Aber so ist das Leben.
laut.de
La Radiolina CD
Genre: Alternative
Bitrate: 162 kBit/s (VBR)
Year: 2007
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