Und ein schöner Beitrag von powerhelmut - bevor er in Vergessenheit gerät. Das Spliff-Album an dem sich die Geister scheiden, wie die beiden nächsten Rezensionen auf amazon zeigen.
von mogoduc:
Mit "Schwarz Auf Weiss" - Spliffs letzter Platte - wurde der Bogen des "Konzepts der Konzeptlosigkeit" und der Individualismus der vier Bandmitglieder leider überspannt. Dabei fängt die Platte mit "Sirius" so gut an. "Telefon-Terror" dient Reinhold als absolute state-of-the-art-Demonstration seines Fairlight-Systems - als Song taugt das Stück indes wenig. Dasselbe gilt für "Radio" - Spliffs schlechteste jemals herausgebrachte Single. Potsch drängt mächtig ins Bandgefüge mit eigenen und vor allen Dingen selbst gesungenen Rock-Nummern
("Bahnhofshotel", "Der Clan"). Das hätte er besser lassen sollen. "Shuttle" ist noch einmal eine gelungene Pop-Nummer von Reinhold. "Rand der Welt" ist Reinholds Über-Ballade - ein Meisterwerk hinsichtlich Arrangement und Sounddesign, das jeden Produzenten jenseits des Atlantiks hätte erblassen lassen -, Schwachpunkt aber auch hier ist Reinholds statischer Gesang (er ist nun einmal kein richtiger Sänger). Das anspruchvollste Stück mit den meisten Ecken und Kanten (positiv gemeint) ist zweifellos Herwigs und Mannes "Labyrinth". Die Platte ist im Kontext der anderen 1984er Deutschrock-Produktionen von BAP, Klaus Lage, Herbert Grönemeyer u.a. immer noch ein Solitär - doch klingt sie nicht mehr als homogenes Bandprodukt, sondern als Song-Kollektion von 4 Individualisten, die sich zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr viel zu sagen hatten. "Zu viele Häuptlinge, zu wenig Indianer", kommentierte Mitteregger später den Split der Band.
von Mag. Klaus Bergmaier:
Bis heute für mich unübertroffen! Mein liebstes deutschsprachiges Album überhaupt. Schade, dass diese Band nicht weitergemacht hat. Es gibt einfach keinen schwachen Moment auf diesem Album! Alleine der Opener Sirius ist so genial, dass man die Scheibe auf Dauerbetrieb laufen lassen könnte. Perfekte Arbeit an den Instrumenten, gute Texte, hervorragend gesungen, schlichtweg das Beste was Berlin bis heute hervorgebracht hat!
Schwarz Auf Weiss
Title
1. Sirius
2. Telefon-Terror
3. Radio
4. Bahnhofshotel
5. Labyrinth
6. Shuttle
7. Rosalie
8. F#-Kuss
9. Der Clan
10. Rand Der Welt
Genre: Rock
Bitrate: 320 kBit/s
Year: 1984
Part1:
Slipff Radio Show
Part2:
Slipff Radio Show
Titelliste
01 spliff-jingle
02 sweet as radio
03 gravy
04 disco-kaine
05 stones airlines
06 baby i'm bored
07 gooroo
08 jive
09 spliff-jingle
10 cheap chicks
11 wysocki college
12 deep in the city
13 producers
14 keep your feet on the ground
15 jet set star
16 rock is a drug
Genre: Alternative
Bitrate: 320 kBit/s
Year: 1980
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Freitag, April 10, 2009
Spliff - SAW (neu + Plus)
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Montag, September 10, 2007
Spliff
Spliff kamen aus Berlin. Was daran so besonders ist? Nun, das Berlin, um das es hier geht, hat mit dem heutigen nicht mehr allzuviel zu tun. Das Berlin Ende der Siebziger war, nicht zuletzt wegen der Insellage innerhalb der DDR, ein Sonderfall. Scharen von jungen Männern, die dem Dienst in der Bundeswehr entgehen wollten, zogen dort hin und durch die geografische Abschottung entstand auch eine ganz eigene kulturelle Szene, die magisch anziehend auf allerlei Außenstehende wirkte. Popgrößen wie David Bowie, Iggy Pop oder Depeche Mode machten dieses Berlin für eine Zeit lang zu ihrer Heimat.
Die Ursprünge von Spliff liegen aber bereits 1973, als der Bassist Manfred Praeker die Band Lok Kreuzberg gründet. Nach und nach stoßen erst Bernhard Potschka (Gitarre), der Österreicher Herwig Mitteregger (Schlagzeug) und schließlich noch der Keyboarder Reinhold Heil hinzu. Die Band ist in jenen Tagen in Berlin sehr erfolgreich. Stilistisch im Politrock der Siebziger verwurzelt, kann man aber den übermächtigen Ton Steine Scherben nicht das Wasser reichen.
Als Nina Hagen aus der DDR ausgewiesen wird, schließt sie sich den vieren an und komplettiert das Line Up der Nina Hagen Band, wie sich die Truppe jetzt nennt. Nach nur zwei Alben ("Nina Hagen Band", "Unbehagen") trennt sich die Nina Hagen Band und aus dieser gehen 1980 zum einen die Solokünstlerin Hagen und Spliff hervor. Der Bandname ist ein Slangausdruck für einen Joint und taucht auch mal in einem Songtext auf ("Scusi Senorina, willst Du auch nen Spliff, oder stehst Du nur auf Männer mit Schlips?").
Die erste Platte "The Spliff Radio Show" ist die Kurzversion einer Revue, die Spliff am zweiten Mai 1980 in Berlin aufführen. Thematisch geht es um das Musikgeschäft allgemein und den fiktiven Musiker Rocko J. Fonzo im besonderen. Auf dieser Scheibe bekommt jeder sein Fett ab. Produzenten, A&R-Menschen und kohlegeile Typen, die Musik nur als Produkt verstehen, quasi eine Vorhersage der heutigen Verhältnisse. Mit der Spliff Radio Show gelingt ihnen zwar ein Achtungserfolg, der aber gegen das, was dann kommt, ziemlich blass aussieht (was den kommerziellen Aspekt betrifft).
Schlicht "85555" (die Bestellnummer des Albums) betitelt, erscheint 1982 die Platte, die der Band zum Durchbruch verhilft. Hilfreich dabei ist, dass mittlerweile die Neue Deutsche Welle übers Land herein bricht und deutscher Gesang auf einen Schlag hin akzeptiert wird. Die erste Auskopplung "Heut' Nacht" ist die einzige Single, bei der Praeker den Gesang übernimmt. Dieses Lied ebnete den Weg für den Erfolg von "Carbonara", mit das bekannteste Stück der Berliner ("Carbonaaaara e una Coca Cola"). "Deja Vu", für viele eines der besten Stücke von Spliff folgte kurz darauf. Mit den allgegenwärtigen Synthie-Drums und rabiaten bis gemeingefährlichen Gitarrenriffs passt die Musik zum endzeitlich gehaltenen Text.
Noch im selben Jahr erscheint "Herzlichen Glückwunsch" mit dem grünen Ampelmännchen als Cover. Geniales Artwork, das dafür gesorgt hat, dass sämtliche Ampeln in Deutschland dieses Design erhalten (ist nur ein Scherz!). "Das Blech", mit gerapptem Gesang, sowie das Titelstück gehen wiederum ordentlich ab und präsentieren uns Spliff, die nur noch wenig mit dem Sound der Radioshow gemein haben. Nicht zuletzt dank Reinhold Heil, der seinem Faible für seltsame Keyboardsounds nachgeht und Herwig Mittereggers elektronischen Drumpads klingen Spliff wie die perfekte Symbiose aus Rockband und Elektronikern.
1984 dann das letzte Album von Spliff, "Schwarz auf Weiß". Leider war die Wahl der ersten Single eine mehr als unglückliche, denn Radio ist so ziemlich das schlechteste Lied, das Spliff in Singleformat veröffentlichen. Die Platte floppt im Vergleich zu den vorherigen auch und als Konsequenz trennen sich die vier, die in relativ kurzer Zeit sehr viel für die deutsche Rockmusik getan haben.
Natürlich haben sich alle vier nicht von der Musik verabschiedet, sondern sind dem Metier in verschiedenen Rollen treu geblieben. Manne Praeker ist hinter dem Pult als Produzent sehr aktiv (Die Ärzte, Nena, Extrabreit). Berhard Potschka widmet sich seiner neuen Liebe, der Weltmusik. Reinhold Heil taucht immer wieder in den Credits anderer Musiker auf, so zum Beispiel bei den Ärzten, Marianne Rosenberg, Rainbirds, Rio Reiser, Falco. Einen großen Wurf landet Heil mit der Filmmusik zum Kassenschlager "Lola rennt". Herwig Mitteregger macht nach dem Ende der Band als Solokünstler weiter, kann aber an die Erfolge der frühen Achtziger nicht mehr anknüpfen.
85555
Genre: NDW
Bitrate: 160 kBit/s
Year: 1982
Spliff - Herzlichen Glückwunsch!
Herzlichen Glückwunsch!
Genre: NDW
Bitrate: 160 kBit/s
Year: 1982
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