Rebellion gibts nicht zum download - Wir sehen uns auf der Straße
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Montag, August 30, 2010

Neue Mutter

Mutter,
neue Platte,
wurde gewünscht:

http://rapidshare.com/files/415292453/mutt_tss_2010.zip

Gruss

RRS
_ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _

Interview TAZ dazu:

"Ich nicht" - "Ich schon"
TOCHTERGESELLSCHAFT Endlich: Die Berliner Krachrockband Mutter veröffentlicht ihr neues Album "Trinken,
Singen, Schießen". Ein Gespräch über ein Vierteljahrhundert Warten auf den Durchbruch, Schuldscheine für Fans
und tierisches Schrauben am Sound

INTERVIEW DORIS AKRAP

taz: Die Schlagzeile eines RBB-Fernsehberichts vor Ihrem Konzert letzte Woche in Kreuzberg lautete: "Berliner
Indie-Band Mutter hofft auf Durchbruch". Können Sie nach 24 Jahren Mutter noch über solche Schlagzeilen
lachen?

Max Müller: Ja. Das haben die vor zehn Jahren bei unserem Album "Hauptsache Musik" auch schon
geschrieben. Dabei sind die Inhalte und die Musik immer die gleichen geblieben. Dass unser neues Album
"Trinken, Singen, Schießen" ein bisschen sauberer produziert wurde, ist marginal. Mutter hat nicht so verwurstelte
Aussagen. Mutter ist direkt, geradlinig in den Texten und der Musik.

So geradlinig wie " Idioten zu erklären, dass sie welche sind, kann man nicht und tut es doch, weil sie welche
sind"?

MM: Ja, ich wollte eine Platte machen, die man durchgängig hören kann. Ich wollte kein Lied dabei haben, das
mir selbst beim Hören wehtut.

Aber es ist doch erstaunlich, eine der dienstältesten deutschsprachigen Bands zu sein und immer wieder von
jungen Leuten entdeckt zu werden.

MM: Das liegt an dem ewig gleichen Sound, der im Radio läuft. Der kann zwar auch ganz schön sein, aber er
langweilt. Wenn ich das Gefühl hätte, Mutter ist überflüssig, hätte ich sie schon längst beendet. Aber ich sehe
keine Bands, die auf zwei Akkorden Musik gestalten, das ist ein Ding von uns.

Gehen die Texte von Max Müller noch durch eine Qualitätskontrolle der Band?

Florian Körner: Nein. Erst wenn die CD rauskommt, verstehen wir die Texte zum ersten Mal wirklich, weil der
Gesang von Max im Übungsraum viel zu leise ist.

Wie verstehen Sie beispielsweise das Lied "Wohltäter" mit der Zeile: "Sie sind Wohltäter/ Wir die Opfer/ wenn
man so glauben will/ sie werden schon etwas dafür tun, dass es allen nützt/ denn wir sind kein Stück besser als
sie/ und das wissen sie genau"?

FK: So, wie Max das gemeint hat. Das Lied handelt davon, wie diejenigen aussehen, die von den Wohlätern
versorgt werden, und das sind dann wohl die Opfer. Das sind dann wir. Ist ja auch ein aktuelles Thema: Bill Gates,
Warren Buffett, was macht man eigentlich mit 50 Milliarden Euro? Stiften gehen.

Sie haben jetzt auch Wohltäter engagiert. 99 Kaltnadelradierungen von Max Müller, gedruckt auf Büttenpapier,
wurden im vergangenen Jahr binnen einer Woche zum Preis von jeweils 100 Euro verkauft, um die Produktion
und Herstellung Ihres zehnten Albums zu finanzieren.

MM: Das ist ja was ganz anderes. Die Dinger kann man ja wieder zurückgeben.

Machen Sie sich damit nicht unnötig das Leben schwer?

FK: Wir wollten nicht betteln, sondern einen Kredit, und wir wussten, dass wir die 10.000 Euro locker wieder
reinspielen.

Gibt es denn schon erste Rückzahlungsforderungen?

MM: Im Gegenteil. Das sind superfeine Radierungen, die werden ihren Wert steigern, wie unsere Platten das auch
getan haben. Außerdem stehen die Namen derer, die eine Zeichnung gekauft haben, auf der Platte. Da gibt man
so ein Ding doch nicht einfach zurück.

Waren Sie überrascht über Ihren Erfolg?

MM: Ich nicht.

FK: Ich schon, weil es so viele Beispiele von anderen Bands gibt, die auf solchen Geschäftsideen sitzen geblieben
sind.

Haben Sie einen Überblick, wer die Dinger gekauft hat?

FK: Unser ehemaliger Manager, der Bruder meiner Freundin, meine Exfreundin, der Vater vom Bassisten, die
Freundin vom Keyboarder, der Bruder von Max

MM: Mein Opa, meine Oma, es reicht.

Es wird kolportiert, der Titel Ihres neuen Albums "Trinken Singen Schießen" soll an das Massaker von Rechnitz
erinnern, bei dem 1945 180 ungarische Juden von betrunkenen Gästen eines Schlossfestes im Burgenland
erschossen wurden.

MM: Totaler Quatsch. Der Wiener Tex Rubinowitz hatte von uns den Auftrag, einen Waschzetteltext für die CD zu
schreiben, und da steht lediglich drin, dass ihn der Titel an das Massaker erinnert, und jetzt stürzen sich alle drauf:
geil - Massaker. Ich wusste vorher überhaupt nichts von diesem Massaker. Aber es passt ja auch irgendwie ganz
gut.

FK: Und wo kommt der Titel dann her?

MM: Vom Schützenfest. Ich komme aus Niedersachsen. Das letzte Lied "Wohlopfer" ist ja auch so Marschmusik.
Aber ist ja auch völlig egal, es ist einfach ein schöner Titel.

FK: Jeder, der Mutter kennt, weiß doch, dass wir so direkt ein politisches Ereignis nicht ansprechen würden, das
ist doch viel zu wenig subversiv.

Was soll eigentlich der AgitpropsSong "Mach doch einfach" auf der neuen Platte? Wird nicht sowieso irgendwie
schon total viel gemacht? Hat nicht jeder mindestens drei Projekte und Jobs am Hals?

MM: Ja, aber 90 Prozent davon sind Mist. Mich nervt es, wenn die Leute immer sagen, eigentlich genial, aber nee,
das wird nichts. Das ist doch eine Weisheit aus dem letzten Jahrhundert, dass man auf sich selbst vertrauen soll.

Do it Yourself ist doch total angesagt, von Häkeln bis Guerilla Gardening.

MM: Das sind alles so komische Dogmen. Alle machen, das soll immer irgendwas darstellen, aber es gibt den
Drang nicht, einfach zu machen, egal wo das hinführt, einfach auszuprobieren.

F.K: Harald Fricke hat mal gesagt, das bei Bands oft von Projekten gesprochen werde, bei uns würde er aber
einfach nur von der neuen Mutter-CD sprechen. Wir sind nicht Stefan Raab und machen heute Turmspringen und
morgen Eurovision.

Mutter ist ein Projekt, das aus dem Kreuzberg der 80er Jahre stammt. Spielte das spezielle Ambiente dort eine
große Rolle für Ihre Musik?

MM: Nö, das hätte auch woanders stattfinden können. Vorher hab ich doch in Wolfsburg auch solche Musik
gemacht.

Für die neue Platte sind Sie extra nach Hamburg gefahren und waren mit dem Produzenten Tobias Levin (u. a.
Kante, Tocotronic) im Studio. Warum wurde der Versuch abgebrochen und Sie haben das Album selbst
produziert?

MM: Levins Produktionsweise hat einfach nicht zu unserer gepasst. Ich hatte das Gefühl, wir kommen überhaupt
nicht voran, und wenn ich das jetzt nicht selbst in die Hand nehme, verpufft die ganze Energie.

Ihre Konzerte sind dafür immer umwerfend laut und hart, Ihre Platten viel filigraner.

MM: Wir haben an dem neuen Album tierisch geschraubt und gebaut. Live will ich eher immer alles wegschmeißen
und reinhauen.

FK: Stimmt, sonst hast du ja so eine Madonna-Nummer, wo 5.000 Samples aus dem Hintergrund kommen, und das
sieht dann aus wie Akrobaten in der Manege. Da geht es doch darum, dass das Publikum das Gefühl haben
kann, dass sie die CD hören.

Das Coverfoto Ihres neuen Albums erinnert an das Foto auf dem Rolling-Stones-Album "Number Two", und dann
gibt es auch noch den Song "Die Alten hassen die Jungen, bis die Jungen die Alten sind". Ist das Cover als
Warnung zu verstehen? Sind Sie alt geworden?

MM: Das wollte ich doch schon immer werden: alt und reich. Aber das ist überhaupt kein Zitat, wir haben nur
bisher keine Platte gehabt, wo wir selber drauf zu sehen sind. Den Text hätte ich auch mit 17 machen können.
Das Lied "Alt und schwul" hab ich ja auch schon 1989 gemacht (auf dem Debütalbum "Ich schäme mich,
Gedanken zu haben, die andere Menschen in ihrer Würde verletzen"). Ich habe immer schon daran gedacht, wie
das ist, wenn ich das Lied in zehn Jahren singen muss. Ich habe nie solche Texte gemacht über Jugend und
Rebellion.

FK: Diese Dokumentation über die Stones von Martin Scorsese, "Shine a Light", ist doch deswegen so furchtbar,
weil Mick Jagger sich Christina Aguilera auf die Bühne holt, um sich zu verjüngen.

Wieso kann man eigentlich bei Amazon keine Mutter-Platten kaufen?

FK: Die Courtagen, die wir für einen Vertrieb bei Amazon hätten zahlen müssen, sind so groß, dass sich das nicht
rentiert. Außerdem verkaufen wir bestimmt nicht mehr, wenn der Hinweis daneben steht: Kunden, die diesen
Artikel gekauft haben, haben auch Mutter gekauft. Wer Mutter will, kriegt Mutter. Auf unserer Homepage.
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Montag, Mai 04, 2009

Müller's Mutter

Noch ein Beitrag vom 'Geist' mit Scheiben von Max Müller und Mutter (bereits vorgestellt).

Mutter ist der Name einer Berliner Band, in der Urbesetzung bestehend aus Max Müller (Gesang), Kerl Fieser (Bass), Florian Koerner von Gustorf (Schlagzeug) und Frank Behnke (Gitarre).

...1993 dann erschien das nächste Album der Band, „Du bist nicht mein Bruder“. Die 24-Spur-Produktion wurde zum meistverkauften Album der Band, Mutter verließen jedoch What’s so funny about, ihre kommenden Veröffentlichungen erschienen beim eigenen Label „Die Eigene Gesellschaft“, geleitet von Max Müller und der damaligen Managerin der Band Gundula Schmitz. Hier wurde im Folgejahr 1994 das bereits vergriffene Debut der Band als CD mit zusätzlichen Stücken wiederveröffentlicht...

Erst am 10. September 2001 erschien das erste neue Mutter-Album seit vier Jahren, wieder bei What’s so funny about. Sein Titel: „Europa gegen Amerika“, im Booklet eine Zeichnung, die einen Micky-Maus-Ohren tragenden George W. Bush beim Verspeisen der Weltkugel zeigte, neben seinem Gesicht steht „Das ist der Todfeind“. Im Hintergrund brennen Hochhäuser, auf dem Album ein Stück mit dem Refrain „Krieg ist vorbei / ein neuer beginnt“. Kurz nach der Präsentation des Albums wurde diese Szene durch den Anschlag auf das World Trade Center in New York Wirklichkeit, diese Gleichzeitigkeit sollte den Erfolg des Albums sowie der Tournee deutlich belasten...

Max Müller

Max Müller (Pseudonym, eigentlich Thomas Müller; * 1963 in Wolfsburg) ist der Bandleader von Mutter. Mit Blick auf das VW-Werk wuchs Max Müller in Wolfsburg-Reislingen auf und gründete 1980 die Punk-Band Honkas, mit denen Müller die EP Lied für Fritz veröffentlichte, die heute als gesuchte Rarität gilt.

Nach seinem Umzug nach Berlin 1981 war er für eine kurze Zeit an der Tödlichen Doris, dem Projekt seines Bruders Wolfgang beteiligt, unter anderem schrieb er gemeinsam mit Nikolaus Utermöhlen das Buch für den 1981 gedrehten Film „Das Leben des Sid Vicious“.

Zur Gründung der Berliner Band Die Ärzte 1981 war er als viertes Mitglied (Sänger) vorgesehen, erschien allerdings bei keiner einzigen Probe, daher sind Die Ärzte bis heute eine Drei-Mann-Band. Als Bassist und Gitarrist der Band Vroammm! nahm Müller 1981 am Berliner Festival Genialer Dilletanten teil.

1982 gründete er die Band Camping Sex, mit der 1984 die LP 1914! entsteht. Nach einem Band-internen Streit zerbricht die Band 1986 und Müller gründete mit dem verbliebenen Schlagzeuger Florian Koerner von Gustorf die bis heute aktive Band Mutter.

Neben seinem Engagement als Sänger bei Mutter arbeitet Max Müller auch als Solist, hier steht die Arbeit mit dem Computer im Vordergrund. 1989 debütierte er mit der Single Wir steh'n hier jeden Tag / Sie ist aus Holland. 1995 stellte er seine Solo-CD Max Müller vor, 1999 gefolgt von Endlich tot und der LP Filmmusik (2004). Müller schrieb Musik zu den Filmen von Jörg Buttgereit und zu Theateraufführungen des Bochumer Schauspielhauses.




Du Bist Nicht Mein Bruder



Titelliste

01 Lach ist billig
02 Alles, was Du schon immer hören wolltest
03 Humor
04 Michael
05 Ich weiss ja wer du bist!
06 Alles
07 Ich bin er
08 Ihr grösster Wunsch
09 Sorgen
10 Wie füreinander gemacht
11 Du bist nicht mein Bruder

Genre: Alternative
Bitrate: 192 kBit/s

Year: 1993

Europa Gegen Amerika



Titelliste

01 Wir waren niemals hier
02 Nackt am Pool
03 Ich weiss ja wer du bist!
04 Reifen rollen
05 Teil von allem
06 Spoorlos
07 Ach
08 Damals in Berlin
09 Krieg ist vorbei
10 Planer
11 Der Himmel
12 Dass man sie liebt
13 Heb dir deine Tränen für jemand anders auf
14 Umtrunk
15 Kleiner Junge

Genre: Alternative
Bitrate: 192 kBit/s

Year: 2001

CD des Monats



Titelliste

01 Paris London New York
02 Windows 1.0
03 Wer ist das Mädchen?
04 Sie sind gekommen um uns...
05 Unter der dünnen Haut
06 Neue Gemeinschaft
07 Früher (ist alles immer schöner als es heute werden kann)

Genre: Alternative
Bitrate: 192 kBit/s

Year: 2004

Max Müller



Titelliste

01 Instrumental No. 1
02 Was Wir Immer Waren
03 Manuela - Eines Tages Wirst Du Mich Hassen
04 Wo Lebst Du Heut
05 69289736
06 Zweiter Weihnachstfeiertag
07 Schweine
08 Adolf Hitler No. 8
09 Honkas - Lied Für Fritz
10 Mach Dir Keine Sorgen
11 Ich Hab Geträumt
12 Camping Sex - Das Geschenk
13 Person
14 Alt Und Schwul
15 Was Nicht Sein Kann
16 Instrumental No. 2
17 Kennst Du Mich Denn Nicht Mehr
18 Wir Steh'n Hier Jeden Tag
19 Sie Ist Aus Holland

Genre: Alternative
Bitrate: 192 kBit/s

Year: 1995

Filmusik

no cover

Titelliste

01 Für Axel 1
02 Für Axel 2
03 Für Axel 3
04 Für Axel 4
05 Hand in Hand 1
06 Hand in Hand 2
07 Hand in Hand 3
08 Hand in Hand 4
09 Schramm 1
10 Schramm 2
11 Schramm 3
12 Nachricht und Bilder
13 Spiegel aus Beton
14 Jemande und Niemande
15 Zu Hause 1
16 Zu Hause 2
17 Zu Hause 3
18 Zu Hause 4
19 Dumme Bilder

Genre: Alternative
Bitrate: 192 kBit/s

Year: 2004


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Dienstag, Mai 06, 2008

Mutter

Vorgestellt von Fireflyer



Gründung und Frühzeit

Mutter gingen 1986 hervor aus der 1982 gegründeten Band Camping Sex, die bereits 1985 das damals wenig beachtete und heute gesuchte Album „1914!“ veröffentlichte [1], das von Thurston Moore als "großer Einfluß auf Sonic Youth" [2] genannt wurde. Als Mutter debütierten sie 1989 mit dem Album „Ich schäme mich Gedanken zu haben die andere Menschen in ihrer Würde verletzen“ auf dem Label der Tödlichen Doris, bei denen Max Müllers Bruder Wolfgang Müller, Sänger war. Das Album, innerhalb zweier Tage in einem 8-Spur-Studio aufgenommen und zuhause abgemischt, wurde anfangs nur wenig wahrgenommen. Erst nach einem Labelwechsel zu What's so funny about und mit dem Aufschwung deutschsprachiger Independentbands Anfang der 90er Jahre (siehe Hamburger Schule) änderte sich das und Mutter wurden von der Kritik wahrgenommen.

Diskurspop?

Bei What’s so funny about erschien 1991 ihr zweites Album „Komm!“, nur eine Seite der Platte enthielt jedoch (diesmal auf 16 Spuren aufgenommen) Stücke der Band, auf der Rückseite waren statt Musik Anekdoten und Geschichten von Freunden und Bekannten der Band zu finden, prominentester Erzähler dabei war David Lynch, als dessen Regieassistent Behnke gearbeitet hatte.

1993 dann erschien das nächste Album der Band, „Du bist nicht mein Bruder“. Die 24-Spur-Produktion wurde zum meistverkauften Album der Band, Mutter verließen jedoch What’s so funny about, ihre kommenden Veröffentlichungen erschienen beim eigenen Label „Die Eigene Gesellschaft“, geleitet von Max Müller und der damaligen Managerin der Band Gundula Schmitz. Hier wurde im Folgejahr 1994 das bereits vergriffene Debut der Band als CD mit zusätzlichen Stücken wiederveröffentlicht.

Mit dem im selben Jahr veröffentlichten Album „Hauptsache Musik“ überraschte die „unberechenbarste aller deutschen Diskurspop-Bands“ [3] dann all jene, die in ihr eine Art „linkes Rammstein“ sahen [4], das Album bestand fast vollständig aus folkigen Balladen, halbakustisch und technisch versiert eingespielt.

Insgesamt ist die Eingliederung der Band in den Kontext des Diskurspop oder der sogenannten Hamburger Schule allerdings eher problematisch. Obgleich es immer wieder auch zu Querverbindungen kam (so spielte Jochen Distelmeyer als Gast bei ihnen Trompete oder sampelten Cpt. Kirk &. das Mutter-Stück „Du“), verknüpfte die Brachialität ihres Sounds und ihr sozialer Hintergrund Mutter eher mit dem Berliner Untergrund der 80er Jahre. Auch mangelte es der Band an der typischen Theorieverbundenheit des Diskurspops, so finden sich weder Referenzen an Theoretiker der Postmoderne noch explizite politische Statements oder gar ein entsprechendes Engagement, wie es bei einigen Bands z. B. 1993 im Rahmen der antirechten „Etwas besseres als die Nation“-Tour stattfand.

1995 fand im Berliner Kinski Club (unter der Leitung von Gundula Schmitz, Claudia Basrawi und Mario Mentrup), ein „Mutter boxt!“ getaufter Boxkampf zwischen Kerl Fieser und Florian Koerner von Gustorf mit Frank Behnke und Max Müller als Coaches statt, als Ringrichter agierte der Regisseur Jörg Buttgereit (in dessen Film „Schramm“ spielte Florian Koerner von Gustorf die Hauptrolle, Max Müller und Gundula Schmitz komponierten den Score).

1996 erscheint das Album „Nazionali“, der Titel löst Irritationen aus, weil einige Kritiker den Titel und seine Schreibweise politisch (miss-)verstehen [5], dabei handelt es sich nur um eine italienische Zigarettenmarke, eine Referenz an den Aufnahmeort des Albums, einen umgebauten Schweinestall in Monterotondo in der Toskana. 1997 brechen Mutter mit Management und Plattenfirma und lange ist nichts von Ihnen zu hören, als letztes erscheint noch eine CD „Konzerte I (1986-1991)“, eine dokumentarische Collage aus Livestücken, Interviewfetzen, Konzertansagen, kryptischen Anrufbeantworternachrichten und dergleichen.

Erst am 10. September 2001 erschien das erste neue Mutter-Album seit 4 Jahren, wieder bei What’s so funny about. Sein Titel: „Europa gegen Amerika“, im Booklet eine Zeichnung, die einen Micky-Maus-Ohren tragenden George W. Bush beim Verspeisen der Weltkugel zeigte, neben seinem Gesicht steht „Das ist der Todfeind“. Im Hintergrund brennen Hochhäuser, auf dem Album ein Stück mit dem Refrain „Krieg ist vorbei / ein neuer beginnt“. Kurz nach der Präsentation des Albums wurde diese Szene durch den Anschlag auf das World Trade Center in New York Wirklichkeit, diese Gleichzeitigkeit sollte den Erfolg des Albums sowie der Tournee deutlich belasten[6].

Zugleich gerieten Mutter in personelle Turbulenzen. Die 16 Jahre in gleichbleibender Besetzung agiert habende Band musste 2002 den Weggang von Frank Behnke hinnehmen, der sich intensiver seinen Filmprojekten widmen wollte, die Band ersetzte ihn durch Achim Treu und verstärkte sich zusätzlich mit Tom Scheutzlich (Keyboards). Treu wiederum verließ Anfang 2005 die Band (er ging zu Der Plan) und wurde durch Martin Höfermann ersetzt. 2006 verließen er und das Gründungsmitglied Kerl Fieser ebenfalls die Band. Dessen ungeachtet begannen Mutter mit der Komposition neuer Stücke für ein neues Album, dazu wechselte Max Müller an den Bass. [7]

Gegenwart

Als bisher letzte Studioveröffentlichung erschien Mitte Mai 2004 das Vinylalbum „CD des Monats“ als auf 500 Stück limitierte Edition, in einer Sonderauflage mit Max Müllers Filmmusiken zusätzlich.

Im „Panorama“ der Berlinale 2005 wurde der Film „Wir waren niemals hier“ von Antonia Ganz gezeigt, der die Band während Liveauftritten in Deutschland und der Schweiz begleitete und durch die Integration alten Materials zugleich die Geschichte von Mutter und ihres Umfeldes beleuchtete. Der Film wurde von der Kritik gelobt und startete am 19. Oktober 2005 in den Kinos, Ende Mai 2007 wurde er auf DVD veröffentlicht [8]. Kurz darauf erschien die Werkschau „Das ganze Spektrum des Nichts“ und das Album „Hauptsache Musik“ wurde wiederveröffentlicht, ebenso wie das langjährig vergriffene Album der Vorgängerband Camping Sex.

Stil

Musik

Die Band selbst bezeichnet sich einfach als „Rockband“. Der langsame, brachiale und schwere Stil der Band steht teils in der Tradition von amerikanischen Noise-Rock- oder Punkbands wie den Swans[9], den Melvins oder Flipper[10], aber auch The Fall oder Velvet Underground[11] und teilt manche Stileelemente durchaus mit Doom-Metal-Bands [12], [13] Mutter selbst geben unter anderem Flipper, Korpus Kristi und Throbbing Gristle als Einflüsse an [14], [15]. Vordergründig gibt es klangliche Ähnlichkeiten mit Bands wie Rammstein oder Oomph!, trotzdem konnte Martin Büsser in der „Stadtrevue Köln“ in einem Artikel konstatieren: „Mutter funktionieren wie das Gegenstück zu Rammstein: Wo diese mit sehr ähnlichen Mitteln Triumph erzeugen, klingen Mutter nach bohrendem Zweifel.“ [16], denn der wuchtige Sound war immer mit selbstironischen und komischen Elementen gebrochen.

Texte

Müllers Texte sind primär unkompliziert, „Die Strategie ist Eindeutigkeit. Bei uns gibt es kein »das haben wir nicht so gemeint«“ [17]. Sie sind einfach, reduziert und direkt, ohne Sarkasmus oder Ironie und verzichten weitgehend auf Metaphern. Dieser Grad an sprachlicher Ehrlichkeit erscheint fast dokumentarisch, wirkt zugleich aber durch eine hinzutretende „Ebene der Abstraktion“ vieldeutig: „Als ob die Leute einfach nicht wahr haben wollen, dass da einer eins zu eins meint, was er sagt.“ [18]

Christoph Gurk hingegen attestierte den Texten eine „Sprache, die den Bewohnern der Ghettowelt ein menschliches Antlitz zurückgibt.“ [19], ganz im Sinne des Songtitels „Ein offenes Geheimnis, für das sich niemand mehr schämt“. Dafür sucht Müller häufig „abseitige“ Ichs auf, ob Krankheitserreger („Ich bin so klein“), homosexuelle Neonazis („Michael“) oder psychisch kranke Attentäter („Ich bin er“).

Trotzdem bezieht Müller keine wertenden Positionen, denn „solang es Menschen gibt und solange sie denken müssen, wird es schlechte, kranke Gedanken geben. Vergewaltigung, Folter und Mord. Und das ist gut so. Und das ist gut so. Denn ich will in keiner Welt ohne diese Dinge leben und niemand soll verbieten, was er vielleicht selber fühlt und niemand sollte bestimmen, was man sehen darf und was nicht. Und ich will in keiner Welt ohne diese Dinge leben. Ich will in keiner besseren Welt, ich will in keiner perfekteren Welt, ich will in keiner schöneren Welt leben.“ („Ohne diese Dinge“)

Live

Mutter sind keine klassische Tourband, Konzerte sind meist Einzelereignisse. Bei Livekonzerten exponiert Sänger und Texter Max Müller immer auch dem Sound scheinbar konträre Züge wie Schwäche und Verletzlichkeit neben Aggression und Zorn und posiert keinesfalls eindeutig martialisch oder dämonisch [20]. Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, haftet der Band auch der Ruf an, es auf das Leerspielen des Saales anzulegen. Das Spiel der Band ist laut, roh, häufig verzerrt und wenig geglättet, lässt so dem einzelnen Musiker aber auch einen großen improvisatorischen Freiraum.

Mutter haben neben konventionellen Konzerten immer auch ungewöhnliche Liveereignisse inszeniert. Bereits die Vorgängerband Campingsex gab in den 80er Jahren ein 48 Stunden langes Konzert, Mutter spielte 1995 als Begleitung für Stummfilme wie zum Beispiel Fritz Langs „Der müde Tod“ oder Buster Keatons „Go West“, aber auch Pornos der 40er Jahre. Auf eine spielerisch geäußerte Idee von Diedrich Diederichsen spielten sie 2002 bei einem Liveauftritt allein eine zweistündige Fassung des John-Lennon-Songs „Imagine“.

Quelle: Wikipedia


Mutter - Hauptsache Musik 1994 (Mutter)
Mutter - ich schäme mich Gedanken zu haben... 1989 (Mutter)
Mutter - Konzerte 1 1986-91 (Mutter)
Mutter - Nazionali 1996 (Mutter)


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