ursprünglich am 11.10.09 vorgestellt
Warum gehen Deutschpop und Soul eigentlich so selten zusammen? Fünf junge Herren aus Freiburg sind immerhin entspannt genug für diese Fusion, auch wenn sie jetzt in Berlin leben. Ja, die Helden kennen sie auch, und Judith Holofernes soll irgendwo im Hintergrund singen. Doch mit diesen Songs können sich Tele auch ohne Gaststars lässig zurücklehnen. Wer Musik für die Hüfte macht, muss den Trends nicht aufgeregt hinterherlaufen. Und der Kopf ist auf "Wovon sollen wir leben" auch beschäftigt. Dafür sorgen Francesco Wilkings Texte, die sich im individuellen (Liebes-)Alltag umtun. Aber Tele können auch funkigen Quatsch singen, ohne dass es peinlich wird: "Es geht ah ha ha, es geht uh hu hu É"
Wovon sollen wir leben
Title
01 Wenn Du gehst
02 Wunder in Briefen
03 Es kommt ein Schiff
04 Falschrum
05 Wovon sollen wir leben
06 Wiemir
07 Wenn Du gehst Part II
08 Die Luft
09 Rot
10 Die besseren Zeiten
11 Ende der Besuchszeit
12 Dilemma
13 Eine Kreuzung, vier Wege
Genre: Pop
Bitrate: 154 kBit/s (VBR)
Year: 2004
Montag, Januar 04, 2010
Tele - Wovon sollen wir leben
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Freitag, Oktober 09, 2009
Tele - Jedes Tier
Die (Wahl-)Berliner Band Tele ist schon etwas Besonderes im großen deutschen Popzirkus. Von den einen wegen ihrer fehlenden Szenebekenntnisse verlacht, von den anderen aufgrund ihrer musikalakrobatischen Versiertheit bewundert. Egal, mit ihrem aktuellen Album „Jedes Tier“ reiten Tele erhobenen Hauptes auf einer Herde voller Pop-Melodien.
Beim Durchhören der neuen Platte ist mir ein Hang zu mehr Direktheit aufgefallen, während eure Texte früher offener für bestimmte Interpretationsansätze waren. Absicht oder Zufall?
Francesco: Das war kein bewusster Prozess. Ich selbst mag das Spiel mit deutlichen Bildern genauso sehr wie mit Unklarheit.
Jörg: Ich finde es insofern spannend, als das wir eigentlich immer erst in Interviews damit anfangen, unser Zeug zu interpretieren. Zudem findet das Schreiben der Texte im Gegensatz zur Musik sehr viel zurückgezogener statt. Ich habe heute auch zum ersten Mal gehört, warum unsere Platte eigentlich so heißt wie sie heißt.
Ist das dein Ernst?
Jörg: Sagen wir so: Ich fand die Interpretation im vorherigen Gespräch sehr schön. Aber für das nächste Interview lassen wir uns wieder etwas Neues einfallen. Solche Unterredungen mit Journalisten sind deshalb immer ganz schön, weil man dazu gezwungen wird, sich mit seinem eigenen Kram vor der Veröffentlichung noch einmal intensiv auseinanderzusetzen.
Stefan: Manche Songs sind ja auch schon ein oder zwei Jahre alt. Als Band entwickelt man sich aber ständig weiter. Und wenn man dann zu unterschiedlichen Zeitpunkten nach ein und demselben Song gefragt wird, erzählen wir auch gerne mal komplett unterschiedliche Dinge auf ein und dieselbe Frage.
Das ist aber nicht unbedingt schlecht, denn sonst stände in jedem Interview mit euch dasselbe drin.
Francesco: Eben, dazu kenne ich auch eine kurze Geschichte: Der Mathias Hielscher von Virginia Jetzt! hat früher mal ein Fanzine gemacht und ein vierstündiges Interview mit Jochen Diestelmeyer von Blumfeld geführt. Danach war er total platt und hatte den Eindruck, er hätte mit ihm gerade komplett neue Welten erkundet. Eine Woche später hat er dann in einer anderen Zeitschrift genau denselben Wortlaut gelesen, war richtig sauer und dachte sich: Was für ein Arsch! (lacht)
Es ist aber klar, dass bestimmte Fragen gestellt werden müssen und dann identische Antworten nicht ausbleiben. Deshalb würde ich schon gerne noch wissen, welches nun dieser großartige Interpretationsansatz für den Plattentitel gewesen ist, von dem ihr gerade gesprochen habt.
Francesco: Für mich hängt die Latte jetzt zu hoch. Lies es doch einfach nach bei … Mist, für welches Magazin war das Interview davor doch gleich? (lacht) Es ging vor allem um die Allgemeinheit des Titels, dass man damit eben jeden anspricht. Gleichzeitig funktioniert er aber auch wie ein Spiegel, weil wir uns eben auch stilistisch nicht nur in einer Musikrichtung bewegen. Das ist keine Platte nur für Turnschuh-Träger oder Verliebte, sondern für jeden. Das ist ein Album für jedes Tier.
Eure Musik wird oft als „Referenzpop“ beschrieben. Was haltet ihr von diesem Begriff?
Francesco: Mir ist das zu vage. Ich will eine Rock- oder Pop-Band sehen, die nicht in irgendeiner Art und Weise eine Referenzband ist. Jeder Musiker hat Vorlieben, Vorbilder oder Idole, an deren Schaffen man sich bis zu einem gewissen Grad orientiert. Bei uns sind diese Vorlieben aber sehr breit gestreut, was dazu führt, dass unsere Referenzen sehr vielseitig sind.
Aber gerade deshalb ist es komisch, dass euch diese Zuschreibung anhaftet, weil man die einzelne Referenz aus eurem breiten Spektrum gar nicht mehr großartig heraushört.
Francesco: Stimmt, aber für uns ist das genauso nervig wie bereichernd. Als wir unsere erste Platte rausgebracht haben, wurden wir beispielsweise mit Bands wie Prefab Sprout und 10cc verglichen, die ich bis dato gar nicht kannte. Die habe ich mir daraufhin angehört und fand die ganz cool.
Die Referenz entsteht also erst rückwirkend im zweiten Schritt?
Francesco: Man muss ja nicht zwangsläufig davon wissen. Als in Europa das Porzellan erfunden wurde, wussten die ja auch nicht, dass es das in Asien bereits gab.
Euch wird außerdem nachgesagt, mit eurer Musik sehr stark zu polarisieren, weil ihr auf der einen Seite diesen Indie-Background habt, auf der anderen Seite jedoch mit einem nicht von der Hand zu weisenden Pop-Appeal aufwartet. Wie nehmt ihr das wahr?
Stefan: Manchmal nimmt das Ganze schon sehr merkwürdige Formen an. Ich kann mich zum Beispiel daran erinnern, dass uns ein Journalist eigentlich ganz gut fand, aber von uns ein offizielles Bekenntnis hören wollte, dass wir uns deutlich auf der guten Seite der Indies positionieren und mit der bösen Major-Welt aus Pop, Synthies und Streichern in Wirklichkeit nichts zu tun haben. Aber der Konflikt, um den es da ging, das war seiner und nicht unserer. Wir haben uns seit jeher die Freiheit genommen, das zu tun, was wir für richtig halten. Dieser
selbstkonstruierte Kampf zwischen gut und böse, Indie und Major, Rock und Pop – der existiert bei uns nicht.
Jörg: Diese Meta-Ebenen haben ja auch rein gar nichts mit der Musik zu tun. Ich höre mir eine Band schließlich deshalb an, weil mir ihre Songs gefallen und nicht, weil sie bei einem Indie oder einem Major sind. Manche Leute bemessen Musik nach ganz merkwürdigen Parametern, die für mich absolut nicht nachvollziehbar sind.
Der Refrain vom letzten Stück „Jedes Tier“ kommt auch im Opener vor. Ist das eine bewusste Rahmung gewesen? Das Zoogitter für die musikalischen Tierchen dazwischen?
Francesco: Ursprünglich war das mal ein und derselbe Song. Der hat sich bei einer Neuaufnahme jedoch plötzlich so verändert, dass auf einmal ein ganz anderes Lied daraus geworden ist. Einzig und allein der Refrain in beiden Stücken ist geblieben. Und diese Klammer fanden wir ganz schön für die Platte. Wie ein Mantra, das am Schluss des Albums noch einmal wiederkehrt. Wenn man ganz konsequent gewesen wäre, hätte man diesen Refrain eigentlich für jeden Song auf der Platte benutzen müssen. Das machen wir dann vielleicht mal beim nächsten Album – jedes Stück mit anderen Strophen, aber immer mit demselben Refrain.
Quelle: http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/476729
Jedes Tier
Title
01 Cecile (Ich Nenn Dich Sissi)
02 Im Radio
03 Mehr Mehr Mehr
04 Für Ein Ganzes Land
05 Die Nacht Ist Jung
06 Waiting For Your Call
07 Foto
08 Mit Flügeln Und Düsenantrieb
09 Testsieger
10 Die Zeiten Ändern Sich
11 Intergalaktische Missionen
12 Jedes Tier
Genre: Indie
Bitrate: 165 kBit/s (VBR)
Year: 2009
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Dienstag, Januar 22, 2008
Tele - Wir Brauchen Nichts
„Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen / daß immer nur Zeichen und nie Wunder geschehen“ – diese lakonische Einsicht im Refrain der ersten Tele-Single „Falschrum“ sprach im Herbst 2004 einer ganzen Reihe Rundfunkredakteuren aus der Seele und das Stück wird bis heute im Radio gespielt. Ein untrügliches Zeichen dafür, daß der Band damit eine Visitenkarte geglückt ist, die sie als Komponisten von Popsongs mit Langzeitwirkung empfiehlt.
Neben den Radioresonanzen gab es für Francesco Wilking (Gesang & Texte), Martin Brombacher und Tobias Rodäbel (beide Gitarre), Patrick Reising (Keyboards), Stefan Wittich (Schlagzeug) und Jörg Holdinghausen (Bass, seit 2005 fest dabei) noch einige weitere Signale, auf dem richtigen Weg zu sein. So fand das dazugehörige Album Wovon sollen wir leben nicht nur in der Fachpresse, sondern auch im Feuilleton Beachtung und tauchte Ende 2004 in vielen Kritiker-Jahrescharts auf. Die Zeile „Es ist Musik aus der Fabrik und will mit dir beten“ aus „Wunder in Briefen“ kürte ein Journalist gar als beste Antwort auf die allgegenwärtige Betroffenheitslyrik.
Bestand zur Anfangszeit der (1999 in Freiburg gegründeten) Gruppe der Zuhörerkreis vorwiegend aus Postrock-Fans, deren Interesse durch euphorische Rezensionen zum selbstvertriebenen (später bei Tapete Records unter dem Namen Tausend und ein Verdacht wiederveröffentlichten) Debütalbum geweckt wurde, so erreichten Tele mit dem 2002 vollzogenen Schwenk zu klaren Popsongstrukturen ein gemischteres Publikum. Die in der Spex-Besprechung zur 2003er EP gemachte Prophezeiung: „Ich sehe schon die Indiefamilie auf den Tanzflächen ihre Augen schließen, den Kopf in den Nacken legen und singen: »Kommst du heute Nacht in meinen Traum - sag ja, sag es laut.«“ aus dem Song „Now Now Now“ ging in Erfüllung.
Der Umzug nach Berlin war damals schon vollzogen. Um aber die Freiburger Zeit harmonisch abzuschließen, nahmen Tele ihr zweites Album noch im dortigen Mixdiemotions-Studio auf, das sie gemeinsam mit der Band Geschmeido aufgebaut hatten. Mittlerweile haben sich beide Formationen im Berliner Prenzlauer Berg ein neues Arbeitsumfeld geschaffen, in dem der Löwenanteil des neuen Tele-Albums entstanden ist. Einige Songs („Fieber“, „Hans“ und „Rio de Janeiro“) wurden im Studio von Patrick Majer (dem Wir-sind-Helden-Intimus, der bereits Wovon sollen wir leben abmischte) aufgenommen. Die restlichen Stücke auf Wir brauchen nichts entwickelten Tele aber - wie schon die Vorgängerproduktionen - in kompletter Eigenregie. Erst beim Mischen wurden Kapazitäten wie Jem (Virginia Jetzt!, Roman Fischer) und Peter Schmidt (u.a. Blumfeld) mit ins Boot geholt.
Davor verstrich kaum ein Monat, in dem Tele nicht auf Tour waren. Ob als Headliner in gut besuchten Clubs, auf Festivals oder als Support von Phoenix und Wir sind Helden: überall zeigte die Band, wie essentiell und unterhaltsam die Live-Umsetzung ihrer organisch gewachsenen Popsongs ist. Dies blieb auch dem Goethe-Institut nicht verborgen, worauf Tele im WM-Sommer 2006 für drei Wochen zu einer Reise durch sechs afrikanische Staaten eingeladen wurden. Die dortigen Erlebnisse, über die der Musikexpress auf vier Seiten berichtete, stellten die hohen Erwartungen noch in den Schatten: wie es allein schon mit Musik als Universalsprache gelingen kann, neue Freundschaften zu knüpfen, durften Tele gleich mehrfach erfahren.
Überhaupt: die Sprache. Nur wenige Texte hat Francesco schon abgeschlossen, wenn er auf die Riffs, Rhythmen und Piano-Intros seiner Kollegen reagiert - die meisten Gesangslinien entstehen erst während des Zusammenspiels. Da kommt es der Band zugute, dass es sich bei ihrem Frontman um einen schöpferischen, Poetry-Slam-erfahrenen Sprachkünstler handelt, um dessen beiläufige Sprechgesang-Ausflüge (siehe die erste Single-Auskoppelung „Mario“!) ihn so manch Vollzeit-Rapper beneidet. Zeugten bereits die dreizehn Stücke des letzten Albums von den weit gefächerten Vorlieben der Tele-Mitglieder, ist ihnen nun mit Wir brauchen nichts der Geniestreich geglückt, den Radius unterschiedlichster Einflüsse noch einmal zu vergrößern.
Quelle: poplexikon.com
Wir brauchen nichts
Title
01 Mario
02 Fieber
03 Ein Leben ohne dich
04 Rio de Janeiro
05 Unser kleines Haus
06 Suah Senielk Resnu
07 Bye bye Berlin
08 Hans
09 So weit weg
10 Wo soll das hinführen
11 F.R.E.I.
12 Unsere kleine Farm
13 Immer nur du
14 Lila lass mich in Ruhe
15 Wir brauchen nichts
Genre: Pop
Bitrate: 153 kBit/s (VBR)
Year: 2007
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