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schall und schatten.
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Seit 2003 arbeitet die Berliner Sängerin DOTA KEHR an ihrer eigenen Version von deutschsprachigem Songwriter-Pop in Kombination mit brasilianischen Weltmusik-Klängen. Mit ihren bislang sechs veröffentlichten Alben sowie unzähligen ausverkauften Konzerten zwischen Hamburg und Wien begeisterte sie bisher nicht nur ihre einheimischen Fans, sondern hat mit dieser einzigartigen Mischung auch in Brasilien Fuß gefasst. So wird ihr (Best-Of-) Album Dota De Berlin dort von dem Label CHITA DISCOS vertrieben, was ihr vielfältige Kontakte zur brasilianischen Musikerszene eröffnete und ihrer Musik gleichzeitig neue Inspirationsquellen bot. Das nun erscheinende Album Schall Und Schatten ist bereits das zweite Werk der Künstlerin, das in Zusammenarbeit mit der lokalen Szene São Paulos entstand und transferiert das musikalische Flair der brasilianischen Metropole in erlesene, deutschsprachige Popklänge mit globalem Blick, ohne dabei gängige Samba- und Bossa-Nova-Klischees zu bedienen. Geprägt von dem virtuosen Gitarrenspiel von REGIS DAMASCENOS, der bereits mit Musikgrößen wie VANESSA DA MATTA, TOM ZÉ oder CIDADÃO INSTIGADO spielte, präsentiert DOTA zehn bezaubernde, luftig leichte Songwriter-Pop-Tracks über große Träume und kleine Fluchten. Zu den deutschsprachigen Eigenkompositionen gesellen sich mit "Do Além" und "Á Primeira Vista" noch zwei Stücke der Bossa-Legende CHICO CÉSAR, der auf letzterem zudem noch Gitarre und Gesang beisteuerte.(amazon)
Schall und Schatten
Titelliste
01 Schatten
02 Geschwindigkeit Des Schalls
03 Do Alem
04 Trinken
05 Zum Glück
06 Kein Morgen
07 Unsichtbar
08 Fradique - Instrumental
09 Sterne
10 A Primeira Vista
Genre: Indie
Bitrate: 172 kBit/s (VBR)
Year: 2009
Sonntag, August 30, 2009
Dota Und die Stadtpiraten
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Freitag, April 11, 2008
Dota Kehr: »Mich als moralische Instanz aufspielen?«
In der junge Welt von heute ist ein Interview mit Dota Kehr, die wir hier unlängst ausführlich vorgestellt haben.
Eigenvertrieb und Sibirientour sind zu empfehlen. Ein Gespräch mit der KleingeldprinzessinInterview: Robert Best
Ausverkauft und gut war es, sagt Dota Kehr (28). Die Berliner Sängerin, besser bekannt als Kleingeldprinzessin, hat am Vorabend im Hauptstadt-Club Lido ihre neue Live-CD »In anderen Räumen« vorgestellt. Beim Auftakt ihrer aktuellen Tour war Kehr auch die Veranstalterin. Umso unglücklicher ist sie, daß der Türsteher einigen Gästen den Zutritt verweigerte: »Mein Publikum ist für gewöhnlich weder mit Gaspistolen noch mit Schnappmessern ausgestattet, und trotzdem wurde jeder belästigt – mit Leibesvisitationen.« Ein Wort, das aus ihrem Mund wie der Titel eines neuen Songs klingt, wie »Erledigungszettelschreiber«, »Menschenklone« oder »Die Funktionalisierer«.
Kluge Texte, gesungen zur Gitarre, dazu Jazzelemente – diese Mischung zieht. In den letzten fünf Jahren hat sich Kehr eine beachtliche Fangemeinde erspielt, und eine Einladung des Goethe-Instituts für eine Tour durch Sibirien. Begleitet wurde sie von Janis Görlich (Drums, Percussion), Sebastian Vogel (Bass), Jan Rohrbach (Gitarre).
Die gleiche Combo (plus Jonas Heuer am Akkordeon) hat auch die Instrumentierung der sechsten CD »In anderen Räumen« besorgt. Außer in zwei Berliner Läden wird sie nur auf Konzerten und über die Internetseite kleingeldprinzessin.de verkauft.
Bei Ihren Konzerten sitzen die Leute manchmal im ganzen Saal auf dem Fußboden und schauen mit glänzenden Augen zu Ihnen auf. Ist das normal?
Wenn ich ohne Band auftrete, spiele ich oft für sitzendes Publikum. Ich finde das gut, weil bei den Solokonzerten die Texte im Vordergrund stehen. Man kann im Sitzen einfach mit mehr Ruhe zuhören.
»In anderen Räumen« ist Ihre zweite Live-CD. Was ist Sinn und Zweck von Live-CDs?
Auf Live-CDs haben die Stücke oft mehr Lebendigkeit. Im Studio fängt man schnell an, alles kontrollieren zu wollen.
Sie haben Ihr eigenes Label. Wollten Sie das von Anfang an so?
Ich wollte meine Demos nicht direkt in die Papierkörbe von Plattenfirmen schicken und meine Musik nicht von irgendwem zurechtschneidern lassen, bis sie einer bestimmten Zielgruppe paßt. Sie sollte lieber direkt bei den Leuten ankommen, die sie gerne hören. Am Anfang habe ich meine CDs selbst zu Hause gebrannt und auf Konzerten verkauft. Dann hatte ich irgendwann das Geld zusammen, um die erste pressen zu lassen. Eine CD hat dann immer die nächste finanziert. Ich habe auch nichts dagegen, wenn Leute meine CDs brennen, bloß bei der aktuellen sehe ich das nicht gerne, weil sie sich erst einspielen und die nächste finanzieren muß. Ein eigenes Label kann ich jedem Musiker nur empfehlen.
Sie haben auf der Straße angefangen. Spielen Sie da immer noch?
Damals bin ich mit Freunden verreist und habe mit Straßenmusik das Weiterreisen finanziert. Für den Hut spiele ich immer noch manchmal, aber selten draußen, das zerschrotet die Stimme so sehr, und die brauche ich gerade zu häufig.
Sie waren in Brasilien, sprechen Portugiesisch und auch die Homepage ist zu Teilen übersetzt. Wann erscheint die erste CD in Brasilien?
2003 habe ich in Fortaleza eine CD mit brasilianischen Musikern zusammen aufgenommen. Sie heißt »Mittelinselurlaub – perto da estrada« und ist auch in Brasilien erschienen.
Vor zwei Jahren hat Sie das Goethe-Institut auf Tour durch Sibirien geschickt. Stellen Sie sich vor, Sie hätten als jW-Auslandskorrespondentin zu berichten …
Ins Auge gesprungen ist mir in Moskau das riesige Militäraufgebot in der Öffentlichkeit. Es bettelt niemand, es gibt keine Straßenmusik. Vielleicht ist das verboten. Sibirien schien ziemlich arm zu sein. Dafür sind die Leute, vor allem die Frauen, todschick. Herzlich und gastfreundlich sowieso. Obwohl es nicht so wahnsinnig kalt war, waren alle Räume prophylaktisch auf 35 Grad geheizt. Wir sind alle krank geworden und mußten viel Wodka trinken.
Ihre Texte sind lustig und gefühlvoll, aber auch politisch, oft alles zusammen. Sehen Sie sich in einer Tradition politischer Liedermacher?
Schwierig. Ich schätze die präzise und gut geschriebene gesellschaftliche Beobachtung mehr als den erhobenen Zeigefinger. Woher sollte ich das Recht nehmen, mich als moralische Instanz aufzuspielen?
Darf man das als Künstler nicht?
Nein. Außerdem liegt Qualität ja nicht nur in der Aussage, sondern vor allem in der Form, in der Verknüpfung von Ideen, im Erschaffen von Bildern, in Reim und Rhythmus und Sprachklang.
Sie singen über permanent frisch strahlende Tomaten und allgegenwärtige Kameras. Sind Genmanipulation und Überwachungswahn dankbare poetische Themen?
Auf jeden Fall. Überwachung zum Beispiel ist ein Thema, das gesellschaftliche Dimensionen hat und gleichzeitig einen emotionalen Zugang erlaubt. Bei anderen Themen ist das schwieriger: Ich glaube, es würde mir schwer fallen, ein Lied über die Renten- oder die Gesundheitsreform schreiben.
Wie kann es politischen Texten gelingen, beim Hörer mehr als ein gewisses sozialdemokratisches Unbehagen zu bestätigen?
Durch eben den emotionalen Zugang. Wenn der Hörer merkt: »Oh, das betrifft mich ja auch«. Bei Texten wie diesen: »Ganz nebenbei weiß deine Krankenkasse längst, was du im Supermarkt kaufst und ob sie dich schon kennen bei der Polizei. Wer nichts zu verbergen hat, hat nichts zu befürchten. Verdächtig macht sich schon, wer diesen Wahnsinn flieht. Doch Rechtschaffenheit liegt im Ermessen der Betrachter, die man nicht sieht.«
Sie studieren noch Medizin. Wollen Sie in dem Beruf arbeiten?
Ich denke, nicht.
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Samstag, Dezember 22, 2007
Dota Kehr die Kleingeldprinzessin
Lumpi Punk hat noch zwei Kleingeldprinzessinnen-Alben ausgegraben.
Dota und die Stadtpiraten gehören – auch wenn sie selbst diese Genrecharakterisierung vermeiden – zur ganz jungen Generation der Liedermacher. Die Beliebigkeit der Spaßgeneration ist an ihnen vorbei gegangen – genauso wie der belehrende Schwermut der Altvorderen. Die Generation Hip Hop hat in den Texten ihre Spuren hinterlassen, die Jazz-Legenden in Instrumentierung und Spielart der Band.
1979 geboren begann Dota Kehr 2001 damit, eigene Lieder zu schreiben, die erste CD „Kleingeldprinzessin“ erschien im Mai 2003. (Taschenrechner raus – fünf CDs seit 2003, das sind im Durchschnitt 1,25 CDs pro Jahr.) Dazu kommen unzählige Livekonzerte – eine große Stärke der Band, wie auf der CD “Taschentöne live” (2004) eindrucksvoll bestätigt wird. Kein Wunder also dass sich neben einem bunt gemischten, treuen Publikum in ganz Deutschland bald auch Presse, Rundfunk und Fernsehen für die Berliner interessierten: Deutschlandfunk, ZDF, taz, Kieler Nachrichten – die Pressestimmen zu dieser Musik sind laut und vernehmlich wird gelobt.
„Schon von klein auf war die ‚Kleingeldprinzessin’ Dota Kehr (geb. 1979 in Berlin) durch einen brasilianischen Freund der Familie in Kontakt mit der Musik Brasiliens. Als sie vor einigen Jahren begann, Texte und Lieder zu schreiben, fanden sich darin die leichtfüßige brasilianische Rhytmik und die fröhlich-melancholischen Melodien eines Tom Jobims vermischt mit den Erfahrungen einer Jugend in Berlin.“, schreibt die Band in einer Selbstdarstellung. Einen Höhepunkt erfuhr diese deutsch-brasilianische Allianz im Jahr 2003: Am Ende eines halbjährigen Brasilienaufenthalts nahm Dota Kehr in Zusammenarbeit mit dem brasilianischen Gitarristen/Komponisten Danilo Guilherme in Fortaleza/Brasilien mit Musikern der lokalen Szene die zweisprachige CD “Mittelinselurlaub” auf.
Auf „Immer nur Rosinen“ tritt dieser Einfluss Lateinamerikas etwas in den Hintergrund – zu Gunsten eines noch persönlicheren Stils. Mit diesem Album machen sich Dota und die Stadtpiraten endgültig unverwechselbar.
Quelle: www.schwerin-schwerin.de
Immer nur Rosinen
Title
1 Ö. N.
2 Schatten Werfen
3 Mond
4 Zimmer
5 Kanal
6 Menschenklone
7 Mittenzwischendrin
8 Spiegelschrift
9 Funktionalisierer
10 Noch So Einer
11 Schlaraffenland
12 moNd (akustivErSiON)
13 Hinter Den Lidern
Genre: Liedermaching
Bitrate: 163 kBit/s (VBR)
Format: m4a
Year: 2006
Taschentöne
Title
01 Alles Du, Alles Dur
02 Mittelinselurlaub
03 Ein Tag
04 Mediomelo
05 Sinceramente
06 Immer die Andern
07 Das gemeine Lied
08 Früh am Morgen, örtlich Regen
09 Selten aber manchmal
10 Fensterbrett
11 Gut genug
12 Ein-Mann-Zelt
13 Menschenklone
14 Riecht nach Dir
15 Im Rauschen der Welt
16 Traumsymphonien
17 Die Drei
18 Öffentlicher Nahverkehr
19 Kleingeldprinzessinnen
Genre: Ballad
Bitrate: 128 kBit/s
Year: 2004
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Dienstag, Dezember 18, 2007
Dota Kehr - Blech + Plastik
Sebastian hat uns den vielfach geposteten Wunsch erfüllt. Wer die Kleingeldprinzessin und ihre Stadtpiraten noch nicht kennt, sollte auf jeden Fall mal reinhören; einige Lieder sind auf ihrer myspace-Seite (http://www.myspace.com/dotaunddiestadtpiraten) und auf ihrer Website(http://www.kleingeldprinzessin.de)zu finden.
Einen ersten Eindruck kann man sich vielleicht auch schon durch das nachfolgende Interview machen.
Kleingeldprinzessin und Knarf Rellöm
Am 18.9.07 waren die Kleingeldprinzessin (Dota Kehr) und Knarf Rellöm (KR) im Literarischen Zentrum. "Verbindung von Musik und poetischen Texten" war als Thema vorgegeben. Man wollte versuchen literarische Strömungen wie z.B. "Hamburger Schule" auszumachen. Dota Kehr wurde als "zarte Prinzessin" angekündigt die "ihre wunderbar harmonisch-aufregenden Texte mit poetischen Stilmitteln" spickt. Knarf Rellöm wird im Gegensatz als "wahres Kraftpaket, Punkrocker mit Hang zu elektronischen Beats" angekündigt. Moderation, Stichworte und Fragen übernahm Martin Büsser (Bü), der sich bereits in vielen Publikationen mit dem Thema Pop und Subkultur beschäftigt hat. - Bei den Zitaten im folgenden Veranstaltungsbericht handelt es sich überwiegend um sinngemäße Zitate. Wo die Notizen einen genauen Wortlaut versprachen ist die Schrift kursiv gesetzt. (G.Schäfer)
Zum Einstieg wurde jeweils ein Stück von Dota und eins von Knarf Rellöm aus der Konserve gespielt. KR meinte bei dem Versuch, seine Musik als Punk-Pop usw. mit Elektronikeinschlag oder Elektronikpunker zu charakterisieren, am besten würde ihm die Beschreibung "Message Dancefloor" als Beschreibung seiner Musik gefallen. Zuerst wurde Dotas Musik gespielt - Gitarre unplugged und erzählender Songtext zum Reinfühlen und danach das Stück "Move your Ass Your Mind will follow" von KR-Trinity. Der Übergang war wie ein musikalischer Kommentar mit der Aussage "nun aber Schluß mit der Romantik" und der brachiale Wechsel auf die elektronisch rythmische Musik erzeugte etwas Heiterkeit. Während des Abspielens startete KR dann mit einem ersten Prrovokationsversuch: "und nun im Rythmus das Mobiliar zertrümmern". Dies stand im Gegensatz zur vergleichsweise "lieblichen" Musik und ebensolchen Ausstrahlung der Kleingeldprinzessin Dota. Dieser Unterschied zog sich anschliessend auch weiterhin durch den Verlauf der Gespräche.
Es ergab sich eine Dominanz des mit angespannter Sprunghaftigkeit agierenden KR gegenüber der gefühlvollen, sich minimalistisch äußernden Dota, die offensichtlich nur sparsam diejenigen Worte äussern wollte, die auf alle Fälle verantwortbar waren. Bei aller angedeuteten Lieblichkeit stieg sie jedoch im späteren Verlauf mehrmals überraschend hart und punktgenau in das Gespräch ein. Offensichtlich ist sie einfach zu bescheiden, um ihre analytische Schärfe voll auszufahren. KR hatte also Platz, die Rolle des bady guys, des Punkers zu spielen.
Das gegensätzliche Antwortverhalten der beiden ist jedes auf seine Weise belustigend. Z.B. auf die erste Frage Martin Büssers "Gibt es eine Verbindung zur Literatur?" antwortet KR tendenzeill ausufernd und Dota einfach nur mit "Nö" und schiebt dann nach: "ich entscheide mich für - nö weiß nicht"
Was ist Pop?
Dota: das ist eine Ausschlußkategorie, man fragt ist das Punk? Nein? Ok dann ist es Pop, ist es Country? nein dann ist es Pop, usw. Was übrig bleibt ist eben Pop.
KR zählte alles mögliche auf, immer wieder mit dem Zusatz, das jeweils aufgezählte sei auch Pop - da gehört der Märzverlag dazu, da gehört aber auch Simpson und Fernsehen dazu. Schlecht verkaufende Musiker sind auch Pop .. usw.
Dota Ist alles Pop?
KR Nein , Martin Walser, Grass und Beethoven sind nicht Pop - vielleicht am sichersten ist es bei Beethoven, dass der kein Pop ist.
Funktionieren die Texte auch ohne Musik?
Dota: "teils teils, kann sein , kann nicht sein. - - Damit habe ich mich mit Sicherheit nicht festgelegt" - dann rezitiert sie mit einem Anflug von Verlegenheit einen ihrer Liedtexte
KR rezitiert keinen seiner Liedtexte und wird auch nicht nachdrücklich dazu aufgefordert. Zur Frage meinte er: früher habe ich mir Songbooks von Dylan und Zappa gekauft , aber die Texte allein brachten es nicht, ohne Musik ist das nix.
Dota Kommentar: "Jo"
KR es reicht auch, wenn nur Wortfetzen verstanden werden. Als mal jemand zu Blumenfeld (Knarf spielte solo als "Vorgruppe") sagte, die Musik solle leiser sein, damit man den Text verstehen könne, da meinte der betreffende Musiker: nein das müsse als Einheit zusammen rüberkommen. Text und Musik gehören eben zusammen und soll als Mischung rüberkommen. KR: Bei Rappern ist das nervig, die Rapper texten einen zu "Rapper haben kein Gefühl für leere Momente". Und beim Punk könnten die Texte auch nicht ausserhalb des Konzert-Kontextes verwendet werden. Die "Affirmation des Grauens im Punk" kann man ja nicht direkt ernst nehmen. "Du kannst nicht "ja" sagen zur Affirmation, mit Sprüchen wie "zurück zum Beton" kannst du vielleicht ein paar Hippies ärgern, aber mit der Aussage kannst du nicht ernsthaft daher kommen und Erklärungsversuche starten.
Romantik, Neue Innerlichkeit?
Bü Neue Innerlichkeit, Juli, Silbermond, Gefühlstexte, Blumenfeld - es kommen Tiere, Pflanzen, Wälder in den Texten vor, Romantik?
Frage läuft auf - Schweigen, Dota: "Mh.. sagt ihr erst mal"
KR: also Silbermond ist nicht wie Blumenfeld ... "Die pure Vernunft darf nicht siegen" - Tiere, das ist gut, also mehr Tiere auf die Bühne
Authentizität?
KR Dieses "ich bin aus Hamburg" oder "ich bin Deutscher", das geht mir auf den Nerv, da sag ich, ich komme vom Mars, dann bin ich das los mit der Frage nach der Hamburger Schule und dem Deutschen. Ich beschäftige mich viel mit Science Fiction und die Leute vom Mars erzählen mir dann z.B. Geschichten vom Retro-Sozialismus.
Ich bin für das Mehrdeutige, deswegen bin ich so ausserirdisch und fremdsprachlich. Wenn jemand über seine Musik und Texte sagt "es kommt aus mir" das find ich schrecklich . Die sexuell nicht über sich selbst klarseienden ziehe ich den "Echten" vor. Fettes Brot singt z.B. "ich bin ein schwules Mädchen".
Dota wenn jemand identifizierbar ist, ist das doch nicht schlecht. Die Bühnenpersönlichkeit muß nicht zwangsläufig mit der realen Person übereinstimmen, sie muß nicht mit der Alltagspersönlichkeit identisch sein.
Texte?
Bü Dota mache sehr offen angelegte Texte dann aber plötzlich sehr konkrete, auch politisch z.B beim Song "immer die andern" .
Dota meine Liebe persönlich interessiert doch niemanden anders bzw geht auch niemanden etwas an, aber das was ich über Liebe singe muß irgendwie verwendbar, füllbar sein, jede/r muß das für sich auf besondere Weise füllen können, was ich da singe.
KR "Bitte nicht ich denke für dich, und nicht Haut die Bullen platt wie Stullen und so einen Quatsch" - der Text wirkt nicht so gerade daherkommend, sondern z.B. gegenüber Nazis wirkt vielleicht mehr so ein Song über "arme kleine Deutsche" wo gesagt wird "Nazis sind Selbstmitleidheuler" - also die Texte bewegen sich im psychologischen Bereich vor der Politik.
Bei Techno-Nazi-Publikum in Halle gabs schon mal Ärger, oder ein anderes mal kam eine Frau die meinte, über Sozialismus macht man nicht solche Sprüche wie "das war kein Sozialismus, das war Bürgerscheisse"
DOTA es sollte nicht alles in postmoderner Beliebigkeit aufgehen, es ist eine Gratwanderung zwischen Beliebigkeit und konkreter Aussage
Publikumsfrage: Text und Musik getrennt, gemeinsam entwickelt?
Dota ja es passiert gleichzeitig von anfang an - (Ausnahme: Vertonung von Gedichten z.B. von Erich Fried - das ist auch schön, da hat man nur die halbe Arbeit)
KR: Knarf klebte eine Liste mit 10 Regeln zum Texten an die Wand und las sie vor: eine der ersten Regeln die er vorliest: "Adorno sagte Fremdwörter sind die Juden der Sprache - deswegen sollte man viele Fremdwörter gebrauchen". Eine der letzten Regeln lautete dann: du sollst keine Regeln befolgen.
Mehrfach ging es um Musik vom rechten Rand - so überraschte der Hinweis, dass die Nazigruppe Landser doch tatsächlich "Ton Steine Scherben" covert. Natürlich hat sie beim Covern des Liedes "Allein machen sie dich ein" den Text an einigen Stellen auch noch verfälscht.
Im persönlichen Gespräch nach der Veranstaltung fragte ich Knarf: Gab es Versuche, z.B. durch die Musik selbst eine Übernahme von Rechts zu verhindern? Er wies darauf hin, dass die Band "goldene Zitronen" dies mit immer quietschigeren Stimmen versuchen, ansonsten würde aber wahrscheinlich Free Jazz für die Nazis endgültig nicht verwendbar sein.
In welcher Sprache
Bü englisch klingt weicher - wieso deutsche Texte von Anfang an?
Dota es ist meine Muttersprache, in ihr kann ich mich am besten ausdrücken. Aber Dota versucht es auch zur Zeit wieder in portugiesisch und erwartet nun dann dass ihr gesagt wird, dass das nie so schön in deutsch klingen würde
Strassenmusik
Dota: mache ich nicht mehr, habe dann immer nur 2, 3 songs rauf und runter gespielt, z.b. in der U-Bahn über die U Bahn, das erzeugt Aufmerksamkeit die Leute hören Ubahn aha, das kenn ich . Aber meist steht man erstmal da und stört eigentlich alle, dann muß man das umdrehen, erreichen, dass sie stehen bleiben.
Bü: und wie machst du das
Dota antwortet mit einem einzeigen Wort "Singen" - fast selbst verblüfft über die Einfachheit ihrer Antwort , erkennt aber dass sie ausreicht und verzichtet auf ein Weiterreden.
Und noch ein weiteres Beispiel minimalistischer Kunst: Irgendwann meinte KR im Laufe des Gesprächs, "ich will hier keine Soloshow machen" - dann wurde das Fragerecht ans Publikum gereicht - aber niemand sagte was. Nach einem Moment dann sprang Dota in die Lücke hinein: Also dann stell ich mir mal selber eine Frage, "Kann man mit Musik die Welt verändern?" Antwort "Ja"!
* * *
Noch einige Hinweise
Dota Kehr ist 1979 geboren, hat erst Geschichten geschrieben und dann mit 21 angefangen, Gitarre zu spielen. Ihre ersten Lieder ware in Englisch, dann wollte sie sich aber nicht vor dem Problem mit der Sprache drücken und schrieb deutsch Songtexte. Sie spielt mit der Band "Stadtpiraten" oder auch Solo - dann übrigens auch auf portugiesisch. Sie lebt in Berlin. Die erste CD erschien 2003, inzwischen hat sie mehrere veröffentlicht. Kleingeldprinzessin 2003, "Immer nur Rosinen 2006, "Blech + Plastik" 2005, "Taschentöne - live" 2004, - sie ist Medizinstudentin aber das Studium ruht
Knarf Rellöm (Frank Möller) CDs u.a. HUAH! 1990 / 2005, "Scheiß Kapitalismus" L`Age D`Or 1992/2006, "Bitte vor R.E.M. einordnen1997, "Fehler is King" What`s So Funny About 1999 , Buch + CD "I can’t relax in Deutschland" Unterm Durchschnitt) 2005. Die Band von Knarf heisst "Knarf Rellöm Trinity" und besteht ausser Knarf (git., voc) noch aus Viktor Marek (Synthesizer) und DJ Patex (b, voc)
Quelle: www.goest.de
Blech + Plastik
Title
01 Zeitgeist
02 Sternschnuppen
03 Zauberer
04 Selten aber manchmal
05 Friedberg
06 Mediomelo
07 Kaulquappe
08 Schneekönig
09 Nichts Neues
10 Geheimnis
11 Erledigungszettelschreiber
12 Die Drei
Genre: Ballad
Bitrate: 128 kBit/s
Year: 2005
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